Die Oberärztin „@saftmoppel“ im Interview

Kreidetafel machen

Die Rückmeldungen auf meine Interviews für Ärztinnen und Mütter sind gigantisch.

Ich bin froh, glücklich und unglaublich dankbar, dass innerhalb der letzten 2 Monate 10 neue Interviews hinzu gekommen sind. Insgesamt haben schon 31 Frauen, Ärztinnen und Mütter ihre Erfahrungen geteilt! Fantastisch!

In einem meiner letzten Beiträge auf DocCheck.com geht es um die Klinik und den „Klub der alten Herren“. Eine Studie aus den USA zeigt die Konsequenzen der Diskriminierung von Müttern in der Medizin. Die Ergebnisse sind erschütternd, niederschmetternd und wahrscheinlich nicht anders zu erwarten gewesen. Aber lest selbst nach!

Wie können wir das ändern?

Ich gebe euch Beispiele, Rolemodels, die authentisch, ehrlich und offen über ihre Erfahrungen als Ärztinnen und Mütter in der Medizin sprechen. Vielleicht gibt es euch Mut und Vertrauen, diesen Dschungel zu durchqueren.

Einer dieser hervorragenden Frauen, die Mut machen, ist heute meine Interviewpartnerin:

Kennt ihr schon die @saftmoppel ? „Die Oberärztin „@saftmoppel“ im Interview“ weiterlesen

Ärztin und Mutter – raus aus Deutschland?

Norwegen

Das Jahresgespräch mit dem Chef steht an. Rahmenbedingungen für meinen Wiedereinstieg nach der Elternzeit sollen geklärt werden. Nach einem Jahr Pause wird das nächstes Jahr sicherlich aufregend für mich.

Leider lassen sich die Rahmenbedingungen nicht mehr mit meinen Vorstellungen vereinen. Zehn 24-Stunden-Dienste im Monat kann und möchte ich nicht bewältigen. Selbst als Teilzeitarbeitende würden es zu viele Dienste sein. Nein, das möchte ich nicht für mein Kind und meine Familie.

Unabhängig davon halte ich von dem Dienstmodell nichts: viel zu wenig Personal, keine Pausen, kein Schlaf. Wer einige Jahre in diesem System unter solchen Bedingungen gearbeitet hat, weiß das. In unserer Klinik geht es anscheinend nicht anders. Mehr, mehr, mehr. „Es ist doch überall so. In einer anderen Klinik ist es auch nicht besser“, höre ich immer wieder. Wirklich?

In Skandinavien ist alles besser?

Ich träume von Skandinavien. Von einer Vereinbarkeit von meinem Dasein als Mutter und Ärztin. Ich erinnere mich an meine Zeit als PJlerin in Norwegen. Zwei Mal täglich gab es eine gemeinsame Kaffeepause: Chef, Oberärzte, Assistenzärzte und PJ-er. Die Gespräche waren oft privat, man erkundigte sich nach den Kindern und den Familienanghörigen. Ein Treffen auf Augenhöhe, als Menschen. Hierarchien? Nicht spürbar.

Um 16 Uhr war Arbeitsende, die Unfallchirurgen wurde vom Spätdienst abgelöst. Geregelte Arbeitszeiten, nicht nur für mich als Studentin, auch für den Chef und die Kollegen. Die ersten Wochen waren damals ziemlich befremdlich für mich. Ich war getrimmt auf Effizienz, Leistung, Arbeiten ohne Pause. Einen Gang runter zu schalten, fiel mir schwer – tat aber verdammt gut. Muss ich also weg aus Deutschland? Norwegen ist schön. Aber dunkel.

Nach meinem Gespräch mit dem Chef, steht mein Entschluss fest. In dieser Klinik kann ich nicht bleiben. Zusammenfassen kann man es in einem Wort: Familienfeindlichkeit. Nein, das geht nicht. Ich erkundige mich. Suche nach anderen Kliniken in meinem Umkreis. Nach Kliniken, die eine Weiterbildung gewährleisten und Arbeitsbedingungen, die für mich, als Teil einer Familie, umsetzbar sind.

Andere Kliniken, andere Sitten

An meinem Hospitationstag in einer anderen Klinik begrüßen mich die Oberärzte und Kollegen freundlich. Ein Arzt kommt 30 Minuten später, weil er seine Kinder morgens in den Kindergarten bringt. Die Assistenten gestalten den Dienstplan, keine 24-Stunden-Dienste, es gibt einen Spät- und einen Nachtdienst. Am Wochenende hat man 12-Stunden-Dienste.

Eine der Ärztinnen kann unter der Woche keine Nachtdienste übernehmen, dafür freitags die Spät- oder Nachtdienste. Ein anderer Arzt braucht immer den Nachtdienst am Mittwoch. Die Kollegen helfen sich gegenseitig auf Station, sodass bis zur Mittagsbesprechung der Großteil der Arbeit erledigt ist. Wenn eine Aufklärung noch übrig bleibt, übernimmt das der Spätdienst.

Um 11:30 Uhr kommt ein Oberarzt auf die Station. Kaffeepause, jeder isst ein Brötchen. Danach werden die kritischen Fälle besprochen und er sieht sich zwei Wunden an, die dem Kollegen bei der Visite aufgefallen sind. Ein Altassistent ruft einen der anderen Ärzte an und fragt, ob er die pertrochantäre Femurfraktur operieren möchte. Er braucht es nicht mehr für seinen OP-Katalog, der Kollege hingegen schon.

Es geht auch anders

Ich bin von dem Bemühen um Freundlichkeit, dem beruflichen Miteinander und der Organisation des Tagesablaufs begeistert. Den Ärzten hier sind die 200 Euro mehr im Monat, die sie in einem 24-Stunden-Dienstmodell verdienen würden, nicht wichtig. Ich gehe mit meinen zukünftigen Kollegen um 16:15 Uhr nach Hause.

Als Ärztin werde ich immer in einem Beruf arbeiten, der besondere Organisation erfordert. Überstunden, Nachtdienste, Wochenendarbeit. Aber das berufliche und persönliche Miteineinander lässt sich aktiv gestalten. Wir sind keine Marionetten.

Ich gebe Deutschland noch eine Chance.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf doccheck.com

Bildquelle: flickr.com, by Rüdiger Stehn

„Ich habe oft an meiner Entscheidung, ein Kind zu bekommen, gezweifelt.“

Zweifel

 

Könnt ihr das nachvollziehen? Erging oder ergeht es euch auch so? Dann lest weiter bei „Interview mit einer Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie und Mutter einer Tochter.“

Wie organisiert ihr euren Alltag als Ärztin und Mutter? Viele Ärztinnen und werdende Mütter fragen sich das. Helft ihnen und erzählt, wie ihr alles managt oder gemanagt habt.

Beantwortet einfach die Interviewfragen und schickt sie mir als Kommentar oder als Email auf unfallchirurginundmutter [@] googlemail.com zurück. Vielen herzlichen Dank an Euch schon jetzt!

 

Bildquelle: pixabay.com, public domain by Unsplash

Ärztin und Mutter – so funktioniert’s

Ihr seid schwanger und arbeitet als Ärztin? Und überlegt euch, wie es wohl machbar ist – Leben, Arbeiten, Kind, Haushalt, Mutterschutz und Elternzeit? Vom Vollzeitjob zur Vollzeitmutter? Oder nach 8 Wochen zurück in den OP? Ihr fragt euch, wie ihr die ganze Verantwortung tragen könnt oder ob es auch ohne euch geht? Welchen Anteil könnt ihr übernehmen, welcher euer Partner? Wie reagiert euer Chef und die Kollegen? Es gibt jede Menge Arbeit, keine Ärzte, viel zu viele Patienten und ihr geht erst mal ein ganzes Jahr raus aus dem Job? Und das vielleicht auch noch in der Weiterbildung?

Hier findet ihr Interviews von Müttern und Ärztinnen aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen (Allgemeinmedizin, Chirurgie, Unfallchirurgie, Neurologie, Gefäßchirurgie, Anästhesie). Sie erzählen von ihrer Zeit als schwangere Ärztin, im Mutterschutz, in der Babypause und wieder zurück im Job.

Werdet Teil des Blogs und erzählt von euren Erfahrungen. Was habt ihr euch einfacher oder schwerer vorgestellt? Würdet ihr euch wieder so entscheiden?

Schickt mir die beantworteten Interviews einfach als Email (unfallchirurginundmutter@googlemail.com) zu oder als Kommentar zurück. VIELEN DANK!

Kinder sind Frauensache

Kinder sind Frauensache? Lese ich jeden Tag. Und sehe ich jeden Tag. Meine Oberärzte haben alle Kinder. Alle arbeiten Vollzeit, keiner hat jemals in Teilzeit gearbeitet. Ein paar männliche Kollegen haben Kinder. Keiner arbeitet Teilzeit. Viele weibliche Kollegen (nicht in meinem Fachgebiet) arbeiten Teilzeit. Sie sind ja schließlich auch für Küche, Kochen, Einkauf, Haushalt, Wäsche, soziales Leben und die Kinderbetreuung zuständig…Was? Ein paar meiner Kollegen waren 2 Monate in Elternzeit. Alle waren im Urlaub, mit ihren Frauen und dem Kind. Die Frauen waren mindestens 12 Monate in Elternzeit, im Erziehungsurlaub, daheim. Bisher dachte ich, wir sind ein paar Jahre weiter als 1960. Umso mehr ich mich umschaue, desto mehr zweifel ich daran. Wie werde ich das mal handhaben, wenn die Schwangerschaft beendet und das Kind geboren ist? Wie seht ihr das? Sind Kinder Frauensache? Wie handhabt ihr das? Kommentiert und diskutiert. Ich freue mich auf eure Kommentare!

Seid ihr Ärztin und schwanger? Fragt ihr euch auch, wie ihr das später mal organisieren sollt/wollt? Wie es anderen Ärztinnen ergeht/erging? Hier findet ihr die Interviews einer Unfallchirurgin und Mutter zweier Kinder, einer Allgemeinärztin und Mutter eines Sohnes, einer Chirurgin und Mutter zweier Kinder und einer Anästhesistin und Mutter einer Tochter. Schreibt mir eure Antworten auf mein Interview, werdet Teil dieses Blogs und gebt schwangeren Ärztinnen ein Beispiel. Vielen Dank fürs Mitmachen!

Gastbeitrag von meiner Freundin Lotte

Liebe Leser,

endlich ist es soweit. Ich konnte meine gute Freundin Lotte, Ärztin und Mutter, dazu gewinnen, einen Gastbeitrag zu schreiben. Sie wohnt mittlerweile ein ganzes Stück weit entfernt von mir, auf dem Land. Sie erzählt mir von ihrem Alltag und wie es ist, das Leben als Ärztin und Mutter zu koordinieren.

Heute schreibt sie von einem Tag, an dem es keine flexible und ausreichende Kinderbetreuung gibt. Allerdings betrifft das Problem nicht nur Lotte selbst, sondern auch die Anderen. Lest weiter bei „Mütter sind gute Ärztinnen, wenn sie denn dürfen…“.

Vielen Dank Lotte.