Schulmedizin – Nein Danke!

Liebes Lieschen,

heute schreibe ich dir von einem Erlebnis in meinem Alltag, das mich doch mal wieder erstaunt und erschreckt hat.

Mit meinen Kindern war ich letzte Woche beim Kinderturnen. Da springen kleine Menschen jeglichen Alters durch eine Turnhalle und verausgaben sich, bis sie abends todmüde ins Bett fallen. Die Turnlehrerinnen geben sich immer viel Mühe und für die Kinder ist das ein großer Spaß. Natürlich ist da jede Menge los. Jede Woche trifft man auf ungefähr 15 Kinder und deren größere und kleinere Geschwister. Je nach Erkältungs- oder Durchfallwelle mal mehr oder weniger.

Mittlerweile bin ich von den Müttern hier auf dem Land viel gewohnt. Kuhstallwälzen, Biogemüseraspeln, Salzwasserinhalation, Arnikakügelchen, Otovowen, Osteopathie, Heilpraktiker und andere Naturheilverfahren sind hier die Gesundheitsratgeber. Finde ich gut. Kann man machen, wenn es nicht schadet – warum auch nicht?

Isabelle, die Mutter von Laura und Jonas (natürlich heißen die Kinder nicht so), gehört auch zu dieser Generation Mütter. Jede Woche höre ich etwas neu Entdecktes über ihre eigentlich nicht kranken Kinder. Sie war bei der Osteopathie mit ihr. Beckenschiefstand. Der Heilpraktiker hat ihm eine Tinktur verschrieben. Die Kügelchen helfen super gegen die Beule am Kopf und seit der Inhalation mit dieser aufgekochten Knolle seien auch die letzten Blähungen verschwunden. Ich hoffe, die Kinder halten sich selbst nicht für krank. Jede Woche bei einem anderen „Arzt“ zu stecken, könnte einem dann doch das Gefühl vermitteln, mit einem stimmt was nicht.

Jonas hat allerdings tatsächlich einen ziemlich üblen Hautausschlag. Ich schließe ganz kurz die schrecklichsten Kinderkrankheiten aus, die ich kenne. Isabelle ist natürlich auch Impfgegnerin. Masern und Mumps stärken das Abwehrsystem. Finde ich überhaupt nicht. Aber weiter in der Geschichte. Ich empfehle ihr, zu einer Dermatologin zu gehen. Das sieht wirklich böse aus. Mein Vorschlag kommt natürlich nicht gut an. Der Heilpraktiker und die anthroposophische Erzieherin hätten schon dieses und jenes empfohlen. Beim Arzt gibt es ja sowieso nur die harten Medikamente, die den Körper nur noch weiter schwächen. Ich schlage vor, dass sie doch einfach mal hingehen und sich so einen weiteren Rat einholen soll. Ob sie den Ratschlag der Hautärztin dann befolgt, ist ja ihre Sache.

Heute hat sie mir nun Folgendes erzählt: Der Hautausschlag ist ein superinfiziertes Ekzem. Mittlerweile erstreckt es sich über den gesamten Oberkörper. Das geht nur mit Antibiotikum und Cortison weg, sagt die Dermatologin. Isabelle ist in ihrer bösen Vorahnung bestätigt. Immer die Ärzte, die gleich mit diesen schlimmen Drogen kommen müssen. Schulmedizin – Nein Danke! Sie versucht es erst einmal mit irgendeiner Wurzeltinktur, in der Jonas nun zweimal täglich baden soll. Ich sage ihr unverblümt, dass sie in diesem Fall um das Antibiotikum und Cortison nicht herum kommen wird. Hoffentlich überlegt sie es sich noch einmal. Jonas tut mir leid.

Liebes Lieschen, ich schlage nur die Hände über dem Kopf zusammen. Komplementärmedizin ist gut. Klar. Aber den eigenen Verstand ausschalten? Auf die Errungenschaften der Schulmedizin pfeifen und die Kinder wieder durch die Hölle schicken? Dafür habe ich dann doch kein Verständnis.

 

Liebes Lieschen, ich bin gespannt, wie du das mal handhaben wirst.

Mit den besten Grüßen

Deine Lotte