Ein Kind mit 50

Es ist in aller Munde. Caroline Beil ist schwanger. Mit 50. Bei „Hart aber fair“ gibt es den Kinderwunsch-Talk. Im heutigen Ärzteblatt lautet der Titel „Kinder auf Bestellung“. Die Reproduktionsmedizin boomt. Den Eingangskommentar im Ärzteblatt schreibt Dr. med. Martina Lenzen-Schulte. Sie spricht die Problematik der Gleichzeitigkeit an – Qualifikation und Reproduktion. Warum sich überhaupt stressen? Weiterbildung geht doch auch nach der Reproduktion. Mit 40 bleiben noch knappe 30 Jahre Arbeitsleben übrig. Das Thema meines Blogs – ein Kind in der Weiterbildungszeit. Aber warum traut unsere Gesellschaft den älteren Frauen dies nicht zu? Sowohl die späte Schwangerschaft, als auch die späte Weiterbildung? Und warum wird es in unserer Gesellschaft den Frauen so schwer gemacht? Und warum bitte ist das immer noch NUR ein Frauenthema? Schwanger mit 50 soll einfach sein? Papa mit 60 und fünfmal nachts aufstehen um die Flasche zu geben, ist einfach? Wir schieben und verlegen, planen und organisieren. Die Weiterbildung, die Schwangerschaft. Muss man sich entscheiden? Gehört zu unserer Gesellschaft nicht beides? Arbeit UND Kinder? Für Mann UND Frau? Bin ich zu naiv? Gibt es für die Herren und Damen in der Politik und unsere Arbeitgeber nur Arbeitnehmer ohne Kinder? Unser Leben ist kurz. Zählt nur das Ziel und nicht der Weg? Welche Traumvorstellung. Männer und Frauen, gleichberechtigt, gleichgestellt. Jeder Elternteil hat Zeit für Weiterbildung UND Kind. Geht natürlich schneller, wenn man nur Qualifikation als Ziel hat. Oder nur Reproduktion. Aber zeitgleich. Vielleicht ändert sich die Gesellschaft ja auch nur, wenn wir diesen Weg selbst gehen. Ich hoffe, ich finde auf meinem Weg nicht zu viele Steine.

Entscheidungen

Euer Chef möchte etwas von euch. Egal ob Krankenhaus oder anderes Arbeitsumfeld, es ist überall das Gleiche. Hierarchien gibt es überall. Bei mir heißt es jeden Tag: „Da ist noch Patient X und Y in der Sprechstunde. Machen Sie mal Frau Müller“. Am besten sind die Aufgaben schon erledigt, bevor sie auftauchen. Oder zumindest erledigt ohne den Chef einzubeziehen. Sowieso sofort erledigen und nicht nachher. Entscheiden möchte er schon gleich gar nicht. Oder eben später. Nein, nein, nein! Unabhängig davon, dass er einen Haufen voll Geld dafür bekommt, dass er die Entscheidungen trifft UND die Verantwortung trägt (und ich NICHT!), ist das nicht meine Aufgabe und oft außerhalb meiner Kompetenz. In manchen Situationen kommt er damit durch. Er ist nicht da. Oder am OP-Tisch. Oder delegiert an einen anderen Oberarzt. Der ist dann ebenfalls angenervt, wenn er die Entscheidung treffen soll. Aber ich treffe die Entscheidungen in meiner Position nicht alleine. Und das ist dann übrigens auch schriftlich festgehalten. In meinen Briefen beziehe ich mich dann im Prozedere (das ich nicht immer nachvollziehen kann – trotzdem, dass ich nachlese und mich erkundige!..oder sogar genau deshalb!) auf die Person, die die Entscheidung getroffen hat. „Laut Oberarzt Orthopäde wird konservativ behandelt.“ „Laut Chefarzt ist hier eine operative Intervention notwendig.“ Manche Oberärzte sprechen mich darauf an. Ob das denn wirklich sein muss. JA, MUSS. In zwei Wochen weiß ich nämlich nicht mehr, mit wem ich diesen oder jenen Fall diskutiert habe. Den Tipp für dieses „Absichern“ hat mir übrigens Oberarzt Super gegeben. Echt klasse von ihm. Das nenne ich wirklich mal „Mentoring“.

Übrigens: zum Thema Entscheidungen treffen und Prioritäten setzen ist heute mein Artikel „Notaufnahme: Der Wichtigste zuletzt“ auf doccheck erschienen. Viel Spaß beim Lesen.