Merle erklärt: Blut ist gut!

Darf ich vorstellen? Merle, meine bärenstarke Helferin!

Merle ist 6 Jahre alt und weiß ganz schön viel.

Auf dem Spielplatz zum Beispiel, kann sie Marc erklären, warum unser Körper blutet.

Marc ist gestürzt und schlägt sich die Knie auf, dass es blutet. Aber Merle weiß, warum das gut ist.

Blut ist gut

Stimmt! Das Blut transportiert den Dreck und den Sand nach draußen. Die Wunde wird so gereinigt und kann heilen.

Das findet Marc spitze. Er ist ganz begeistert von seinem Körper und zeigt seiner Mama stolz die Schürfwunden.

Dann erklärt er ihr: Blut ist gar nicht schlimm. Wenn es blutet, wird die Wunde sauber.

Wenn ihr mehr von Merle sehen möchtet, schreibt mir doch einfach einen Kommentar zurück. Vielleicht bekommt Merle dann ihre eigene kleine Kinder-Kolumne.

Eure

Unterschrift Lieschen Müller

 

Bildquelle: eigene

Wenn Löwen Raben fressen

Löwen

„Der Kerl vor mir, hat einfach nichts verstanden. Jetzt fragt er mich schon zum dritten Mal das Gleiche. Was ich sage, scheint überhaupt nicht anzukommen. Absolut sinnlos meine Bemühungen.“

Das höre ich jeden Tag. In der Notaufnahme, auf den Stationen, bei den Anmeldungen. Dabei spreche ich nicht von fehlenden Deutschkenntnissen oder mangelnder Hörfähigkeit. Banale (???) Kommunikation.

Das Gegenüber scheint nicht zu verstehen oder verstehen zu wollen. Dabei liegt es meiner Meinung nach hauptsächlich an den unerfüllten Erwartungen der Patienten. Wir sehen die gewünschten Bedürfnisse nicht oder können sie nicht erfüllen.

Wie also kann man damit umgehen?

Ich darf nun alle Leser/innen, die sich einen so richtig vernünftigen Artikel zur Arzt-Patienten-Kommunikation erhoffen, zum Kollegen auf StrebensWert weiterleiten. Ein wunderbarer Artikel zur bedürfnisorientierten Kommunikation und Konfliktstrategie im Alltag.

Alle Leser/innen, die gerne lachen, sich nicht allzu wichtig nehmen und Platz für ein wenig ironische Komik haben, darf ich herzlich dazu einladen, weiterzulesen, zu diskutieren und zu kommentieren. Ich freue mich darauf.

„Wenn Löwen Raben fressen“ weiterlesen

Ich komme gleich! Die Wette gilt.

Ich komme gleich. Die Wette gilt.

Paul hat Dienst. Der Allgemeinchirurg ist ein Chirurg aus dem Lehrbuch. Die Ärmel hoch gekrempelt, die vor Stolz geschwellte Brust, das Goldkettchen um den Hals. Alles passt. Er ist aber auch verantwortungsbewusst und hat ein Teddybären-Herz.

Jetzt sitzt neben mir in der Notaufnahme und hämmert wie wild auf seine Tastatur. Im 2-Finger-Schreibsystem. Die Fehlerquote ist so hoch, dass er noch ungehaltener wird. Damit gewinnt er kein Wettrennen.

Meine Finger eigenen sich für andere Tätigkeiten. Nicht für solchen Zettelkrams. Mit meinen Händen fasse ich lieber andere Sachen an, weißt du? Die können auch echt zärtlich sein. Da hat noch jede angefangen, zu schnurren.“ Er zwinkert mir zu.

Ich rolle lachend mit den Augen. „Dann hoffe ich sehr für dich, dass deine Katze nicht irgendwann zubeißt.“

Es ist 23.30 Uhr und die zwei Patienten, die auf sein Konto gingen, werden entlassen. 

Die anderen Patienten, die er mit beurteilen muss, gehören den Internisten. Fall 1: abführen. Fall 2: vielleicht doch noch OP?

Der Internist macht hinter Pauls Rücken die Bewegung eines Sprinters nach. Das Zeichen, dass ich mich beeilen muss, wenn meine Oma mit der Schenkelhalsfraktur noch vor Fall 2 in den OP soll.

Paul dreht sich um, als ich meinem Oberarzt anrufe und dem OP-Personal Bescheid gebe. Er verzieht die Augen zu Schlitzen.

Die Wette gilt. „Ich komme gleich! Die Wette gilt.“ weiterlesen

Berufswechsel als Mutter – warum?

Berufswechsel als Mutter

Seit ich Mutter bin, habe ich einen Satz so oft gehört, wie noch nie:

„Warum wechselst du nicht deinen Beruf?“ Meine Mutterrolle scheint sich nicht mit meiner Arbeit als Unfallchirurgin zu vertragen.

Freunde, Bekannte, Verwandte, Kollegen, Vorgesetzte. Viele fragen mich, warum ich nicht das Fach wechsle. „Wechsel in die Innere Medizin. Mach doch den Facharzt für Allgemeinmedizin. Das ist viel besser vereinbar mit deiner Mutterrolle. Oder was ist mit Anästhesie? Rehabilitationsmedizin vielleicht?“

Ich bin erschrocken, enttäuscht und traurig über diese Vorschläge. Nicht, dass sie mich überraschen. Nein. Mein Leben als Unfallchirurgin ist rasant. Ich arbeite nachts, am Wochenende, spät abends. Kein Homeoffice, keine flexiblen Arbeitszeiten, keine Gleitzeit am Morgen.

Die Vorstellung selbst, meinen Beruf als Frau auszuüben, scheint Thema zu sein.

Ich passe nicht ins Schema.

Auch wenn wir Frauen in unserem Fachbereich immer mehr werden – Normalität ist es für viele Menschen noch keine.

Eine Frau, die den Hammer in der Hand hält, um die Prothese einzuschlagen. Eine Frau, die das Skalpell führt, um ihre Hände in den Thorax eines Mannes zu schieben. Eine Frau, die dem Alkoholiker mit den Handschellen und der anwesenden Polizei, die Platzwunde im Gesicht zunäht. Eine Frau, die den Muskelprotz sediert und eine Hüfte reponiert. In unseren Operationen spritzt Blut. Wir tragen Brillen, Kittel und Handschuhe. Und ja, ab und an, bleibt ein Blutspritzer im Gesicht hängen. Wir sägen, hämmern, stöhnen und schwitzen. Wir arbeiten, planen, denken, trösten und fordern. „Berufswechsel als Mutter – warum?“ weiterlesen