Liebes Verantwortungsbewusstsein,

Hand

seit meiner Kindheit kenne ich dich nun schon. Es wurde an dich appelliert, wenn ich den Schlüssel aufbewahren, das Geld zum Bäcker tragen, den Schulweg alleine laufen, die kleine Schwester beaufsichtigen, den Tisch decken, den Kuchen backen oder den Müll raus bringen sollte. Du bist in mir gewachsen, da ich immer wieder gelobt wurde, stolz auf meine erledigten Aufgaben war und immer wieder das Gefühl bekam, etwas richtig gemacht zu haben. Dich gibt es nur deshalb, weil man mir vertraut hat, dass ich ALLES schaffe.

Heute habe ich dank dir keine Angst etwas falsch zu machen, ich bin nicht der Spielball anderer Menschen und ich bin nicht von anderen Menschen abhängig. Ich bin selbst verantwortlich.

Aber manchmal würde ich dich gerne einfach in die Tonne treten. Dir sagen, dass du einfach die Klappe halten sollst, damit ich schlafen kann. Damit ich auch mal, wie viele andere Menschen, einfach NICHTS tun muss. Damit ich mir keine Vorwürfe machen muss, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Damit ich mich nicht rechtfertigen muss vor anderen. Damit ich nicht Schuld bin, wenn es anderen schlecht geht. Damit ich nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Dann könnte ich einfach an der Oma vorbei gehen, ohne ihr die Taschen in ihre Wohnung zu tragen. Meinen Müll auf die Straße werfen, ignorieren, wenn ein Mädchen in der U-Bahn angepöbelt wird. Oder an dem Menschen, der am Boden liegt, vorbei gehen ohne nachzuschauen ob er noch atmet… ODER?

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“ Molière

 

Bildquelle: flickr.com, by Jlhopgood

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