Liebe/r Alleinerziehende/r,

Baum

ich bewundere dich von allein Seiten. Obwohl du schon lange keine exotische Pflanze mehr bist in unserer Welt, wundere ich mich jedes Mal wieder über deine Kraft, Ausstrahlung, Haltung und Stärke. Du bist enorm belastungsfähig, genügsam, hilfsbereit, zeigst Würde und Stolz. Dabei trägst du ein riesiges Paket der Verantwortung mit dir herum, das dich an manchen Tagen fast einknicken lässt. Und doch streckst du am nächsten Morgen dein erhobenes Haupt voller Mut und Hoffnung in die Sonne. Jeden Rückschlag, jeder noch so starke Regen, jedes Gewitter und jede willkürliche tropische Hitze erträgst du mit Rückrat, sodass du am nächsten Tag noch ein Stückchen größer und stärker erscheinst. Du hast eine unglaubliche Standfestigkeit, die mich häufig erstaunt zurück lässt.

Jeden Tag werden dir riesige Steine auf deine Wurzeln gelegt, die dir fast die Luft zum Atmen nehmen. Es werden Straßen mit Asphalt auf dir gebaut, die du mit deinen geduldigen Wurzeln aufzubrechen weißt. Andere groß gewachsene Bäume stellen sich bewusst in deine Sonne, um dein Wachsen zu verhindern. Parasiten setzen sich auf deine schönen Äste und zehren an deinen Nährstoffen. Und doch gibst du nicht auf.

Liebe/r Alleinerziehende/r, such dir einen schönen Platz, an dem du dich wohlfühlst. Kämpfe um deinen Platz in der Sonne. Werde zum Mammut, sodass dich deine Rinde vor Waldbränden und Trockenheit schützt, deine Narben verheilen und deine Samen in der Asche keimen können. Suche dir einen Wald, der dich in seiner Mitte aufnimmt. Der Wind in deinem Wald soll deine Stimme tragen. Ich wünsche dir einen weichen, gemütlichen, sanften Boden, der dich nährt, einen sprudelnden, stets fließenden Bach, der deinen Durst stillt und einen starken, schützenden Baum, an dem du dich anlehnen kannst, wenn dich der Wind fast umweht.

 

Bildquelle: flickr.com, by Thomas Euler

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