Liebe Väter in Elternzeit,

vielen Dank für eure Entscheidung, euch Zeit für eure Familie zu nehmen. Für eure Kinder und eure Partnerinnen.

Obwohl ihr in der Arbeit gebraucht werdet. Obwohl euer Chef jeden Tag erneut nachfragt, wann ihr denn genau in Elternzeit geht und vor allem wann ihr wieder kommt. Ob ihr nicht doch während der Elternzeit arbeiten könnt. Wenigstens 1 oder 2 Tage die Woche. Ob das denn überhaupt sein müsse, das Ganze, mit der Elternzeit. Obwohl ihr auf einen Teil eures Gehalts verzichtet. Obwohl… eigentlich seid ihr in der Arbeit nicht ersetzbar, oder?

Und trotzdem habt ihr euch dafür entschieden. Ihr könnt nun Entlastung sein im Familienalltag. Den Hausputz erledigen, die Wäsche waschen, kochen, einkaufen, die älteren Kinder versorgen und euren Frauen zur Seite stehen. Ihr habt endlich Zeit für Sport, eine Mittagspause und könnt das Abendessen gemeinsam mit eurer Familie genießen. Ihr seht die Kinder den Brei essen, das erste Drehen und die stolzen Kinderaugen bei den ersten Krabbelversuchen.  Ihr ermuntert sie, mutig und selbstbewusst, mit Selbstvertrauen und Kraft in ihr Leben zu starten.

Stellt euch vor, das wäre länger so. Nicht nur die obligatorischen 2 Monate. Sondern die möglichen 4, 6, 8, 10 oder 12 Monate innerhalb der ersten 14 Lebensmonate. Vielleicht könntet ihr euch die Zeit ja mit eurer Frau sogar teilen. Dann könntet ihr die unliebsamen Haushaltsaufgaben aufteilen. Und ihr könntet eine Bezugsperson für eure Kinder werden, von denen sich die Kinder etwas abschauen können, sie könnten von euch lernen und verstehen. Ihrem Vater, einem Mann. Einer, der die Dinge vielleicht auch mal anders angeht, als die Mama.

Ihre könntet ihnen zeigen, dass Gleichberechtigung Alltag ist. Dass Hausarbeit und Erziehung auch Männersache ist. Dass Windeln wechseln, Kuchen backen und Sandburgen bauen, nicht nur Mütter können.

Ihr könntet ihnen zeigen, dass euch eure Kinder wichtig sind. Dass euch eure Partnerinnen wichtig sind. Ihr könnt ihnen zeigen, dass arbeitende Mütter genauso normal sind wie arbeitende Väter. Dass Hausarbeit und Erziehung im Familienalltag aufgeteilt wird. Dass jeder seinen Teil beiträgt, auch die Kinder.

Ihr könntet erkennen, dass Erziehung und Hausarbeit anstrengend ist und genauso viel Wertschätzung in unserer Gesellschaft verdient, wie die Arbeit, für die es Geld gibt.

Stellt euch vor, das ginge länger so. Dass ihr euch mit euren Partnerinnen Arbeit für Geld und Arbeit für Familie gleichberechtigt aufteilt.

Dass ihr auch über die ersten Lebensjahre der Kinder hinaus, für die Einkäufe, die Wäsche oder die Verabredungen am Wochenende zuständig seid. Für das abendliche Baden und ins Bett-bringen oder den Kindergeburtstag. Für die Hausaufgaben, das Lernen auf die Mathematikarbeit oder das Erzählen der Bilderbuchgeschichten. Für das Klettern in den Bäumen, das Fahren auf Baggern oder das Hämmern, Bohren, Schrauben und Sägen am Gartenschuppen.

Ihr könntet erleben, wie eure Kinder zu starken, mutigen, selbstständigen und ehrlichen Menschen heranwachsen, weil ihr ihnen zeigt, dass sie Alles schaffen.

Ihr müsstet eurem Chef jeden Tag erneut erklären, dass ihr pünktlich Feierabend machen müsst, weil die Kinder in der Kita warten. Ihr müsstet jeden Krankheitstag der Kinder, den ihr zuhause verbringt, rechtfertigen. Ihr müsstet vielleicht Teilzeit arbeiten. Ihr müsstet akzeptieren, dass ihr weniger verdient, als in Vollzeit. Und, dass eure Frau einen Anteil oder Großteil zum Familieneinkommen beiträgt. Dass ihr für euer berufliches Weiterkommen länger braucht, als nach dem Studium angenommen. Dass ihr bis zum nächsten Karriereaufstieg keine 5 oder 6 Jahre warten müsst, sondern 8 oder 10. Dass ihr anstatt in 5 oder 6 Jahren zum Facharzt, 8 oder 10 Jahre braucht. Dass ihr länger Nachtschichten schieben müsst, als anfänglich geplant.

Ihr könntet euren Kindern zeigen, dass Gleichberechtigung wichtig ist. Dass Kinder von der Anwesenheit ihrer Väter profitieren. Dass die Beziehung der Eltern davon profitiert. Und dass Männer, die sich für Kinder und eine Familie entscheiden, die gleichen Konsequenzen, Einschränkungen und Vorteile erleben, wie ein Frau.

Dies ist der Aufruf für mehr Gleichberechtigung im Alltag. Für mehr Zeit für Familie. Für mehr Väter auf Spielplätzen. Für mehr Väter im Kinderturnen und mehr Väter an den Waschmaschinen. Für mehr Akzeptanz für Männer, die nicht nur Väter sind, sondern auch sein wollen. Für die Aufwertung von Familie, Erziehung und sozialem Leben. Für mehr männliche Präsenz im Kindergarten und der Schule. Für die Aufwertung von Familie bei Kollegen, Chefs, Vorständen, Firmen und in unserer Gesellschaft.

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