Interview mit einer Unfallchirurgin und Mutter von zwei Kindern

In welcher Fachrichtung arbeiten Sie, Klinik oder Praxis, Teilzeit oder Vollzeit und wie viele Kinder haben Sie?

Aktuell bin ich Weiterbildungsassistentin in einer kleineren Klinik (kein Maximalversorger) für Orthopädie und Unfallchirurgie, mit einer Vollzeitstelle und 5-6 Diensten pro Monat. Ich habe 2 Töchter von 5 und 9 Jahren.

Wie organisieren Sie Ihren Alltag mit Beruf und Kind/er?

Mein Mann ist niedergelassener HNO-Arzt, d.h. er fängt in der Praxis um 9 Uhr an und kann somit morgens schon mal die Kinder verteilen.

Ich habe darüber hinaus beide Großeltern in der Nähe und eine Haushaltshilfe, die fast täglich kommt und auch manchmal die Kinder abholt / zu Aktivitäten fährt / etc.

Ohne fremde Hilfe geht es bei zwei voll arbeitenden Eltern in meinen Augen nicht.

Wie haben Sie ihre Auszeit vom Beruf empfunden und würden Sie sich noch einmal für eine Babypause entscheiden?

Die Zeit zu Hause mit den Kindern war schön – ich habe bei jedem Kind 2 Jahre Elternzeit genommen. Ich habe die Zeit mit den Kindern genossen, aber auch die Zeit, die ich für mich hatte. Mit 2 Jahren waren die Kinder dann „reif“ für die Krippe und ich war auch froh wieder arbeiten zu dürfen.

Ja, ich würde mich immer wieder für eine Babypause entscheiden!

Welche Probleme sehen Sie in der Vereinbarkeit vom Beruf als Ärztin und Mutter?

Ich würde die Frage anders formulieren – welche Probleme sehen Sie in der Vereinbarkeit vom Beruf als KRANKENHAUS – Ärztin und Mutter.

Das Ärztin sein als Fachärztin und vllt. im niedergelassenen Bereich sehe ich als weniger problematisch.

Im Krankenhaus sind es die Arbeitszeiten (Überstunden, die weder als frei gegeben werden, noch in Form von frei oder Geld vergütet werden), chronischer Personalmangel, Dienste, …

Vor allem in den chirurgischen Fachrichtungen kommt hinzu, dass eine gewisse physische Beanspruchung nicht von der Hand zu weisen ist.

Operieren darf man meist die notfallmäßigen Sachen, die ja dann am Ende des Tagesprogramms (…oder wenn Chef und OÄ mit dem eigenen Regelprogramm fertig sind…) drankommen und was dann einen immer wieder vor das Dilemma stellt – operieren und schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber zu haben, weil man spät nach Hause kommt oder mit den Kindern sein und unglücklich, weil man mal wieder an die männlichen Kollegen abtreten musste!

Familiengründung in der Weiterbildungszeit zur Fachärztin – ein kluger Weg?

Es gibt keinen günstigen oder klugen Zeitpunkt Kinder zu bekommen. Ob in der Studienzeit oder Weiterbildung, beides hat Vor- und Nachteile.

 Wie haben Sie ihren Wiedereinstieg nach der Kinderpause erlebt?

Wider Erwarten, als wäre ich nie weggewesen.

 Wie hat sich Ihre Arbeitsweise, nachdem Sie Mutter geworden sind, verändert?

Ich arbeite schneller und effizienter – leider auf Kosten von Mittagspause oder anderen Verschnaufpausen.

 Wie sehen Sie die Unterstützung durch Gesellschaft, Arbeitgeber und Kollegen für arbeitende Mütter und Väter?

Die jüngeren Chefs haben mittlerweile sicher mehr Verständnis für arbeitende Mütter als noch mein erster, alter Chef, nachdem ja auch viele Ärztinnen in der Medizin sind, vor allem aber auch in den chirurgischen Fächern.

Dennoch sind wie eben erwähnt die männlichen Kollegen diejenigen, die abends länger im OP bleiben können und so dem Chef vielleicht eher auffallen.

 Fühlen Sie sich gleichberechtigt gegenüber Ihren männlichen Kollegen? Haben Sie die gleichen Chancen?

In meiner jetzigen Klinik fühle ich mich gleichberechtigt gegenüber meinen männlichen Kollegen.

 Welchen Ratschlag würden Sie anderen Ärztinnen, die über die Familienplanung nachdenken, geben?

Man braucht ein dickes Fell, ein gutes Durchhaltevermögen, eine gute Organisation mit doppeltem Boden wenn es um die Kinder geht und vor allem die Passion für das, was man tut, da es eine große Belastung ist, der man ohne Liebe für den Beruf vermutlich nur schwer standhält!

P.S. ….und es stimmt, wenn einem die älteren Kollegen sagen, dass Mutter sein / Familie und die Chirurgie zwei Dinge sind, die schwer zu vereinen sind…!

 

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