Interview mit einer Psychiaterin und Mutter eines Sohnes

In welcher Fachrichtung arbeiten Sie, Klinik oder Praxis, Teilzeit oder Vollzeit und wie viele Kinder haben Sie?

Ich arbeite in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie zu 80 Prozent und habe einen Sohn.

Wie organisieren Sie Ihren Alltag mit Beruf und Kind/ern?

Mein Sohn geht seit diesem Jahr in die Grundschule und danach in den Hort. Wir sind sehr froh, einen Hortplatz bekommen zu haben, so haben wir die Möglichkeit unseren Sohn bis 17 Uhr betreut zu haben. Zuvor war er ab dem 3. LJ im KIGA und ab dem 1.LJ bei einer Tagesmutter. Jetzt geht er Morgens mit mir aus dem Haus und geht zur Bushaltestelle. Ich warte bis er eingestiegen ist und fahre dann zur Arbeit. Nach der Schule fährt unser Sohn mit anderen Hortkindern mit dem Bus zum Hort. Ich hole ihn dann, je nach Arbeitszeit/ Überstunden vom Hort ab.

Wie haben Sie ihre Auszeit vom Beruf empfunden und würden Sie sich noch einmal für eine Babypause entscheiden?

Die erste Zeit war eher anstrengend mit Baby. Dann habe ich es genossen. Täglicher Mittagsschlaf, ausgeruht sein, viel raus und bewegen, mit der Freundin und dem Gleichaltrigen Kind treffen und Unternehmungen starten… Mir hat irgendwann schon die Arbeit gefehlt, andere Themen, andere Gespräche, neuer Input. Wobei ich in der Elternzeit weiterhin Teile meiner Weiterbildung ( Theorie) weitergemacht habe. Wenn ich könnte, würde ich gerne noch in Kind bekommen und Elternzeit nehmen. 

Welche Probleme sehen Sie in der Vereinbarkeit vom Beruf als Ärztin und Mutter?

Einige…es fängt schon an bei der Teilzeitarbeit. Bei uns muss man mindestens mit 65 Prozent anfangen. Man bekommt vieles nicht mit, wenn man nicht täglich da ist, z.B. Besprechungen, Dinge, die Patienten betreffen…man ist sehr auf die Kollegen angewiesen. Ich habe nach der Elternzeit mit 75 Prozent begonnen, und hatte einen Tag frei. An diesem Tag hat der Arzt auf Station gefehlt, dies musste dann am nächsten Tag zusätzlich gemacht werden. In Teilzeit kommen einfach flott Überstunden zusammen.

Familiengründung in der Weiterbildungszeit zur Fachärztin – ein kluger Weg?

Es dauert, bis man fertig wird…man ist teils weniger flexibel…generell würde ich es wieder machen, eventuell weniger Elternzeit nehmen und meinen Mann dazu nötigen.

Wie haben Sie ihren Wiedereinstieg nach der Kinderpause erlebt?

Unproblematisch! Ich hatte zwischendurch immer Kontakt zu meinem Oberarzt und den Kollegen.

Wie hat sich Ihre Arbeitsweise, nachdem Sie Mutter geworden sind, verändert?

Ich kann mich, gerade in meinem Gebiet, manchmal besser in Eltern reinversetzten. Ich bin sehr strukturiert, versuche wenig aufzuschieben.

Wie sehen Sie die Unterstützung durch Gesellschaft, Arbeitgeber und Kollegen für arbeitende Mütter und Väter?

Arbeitgeber: wir sind ja eine familienfreundliches KH, aber nach meinem Empfinden hat man erst davon etwas Profit, wenn die Kids größer. Man bekommt Ferienfreizeiten günstiger und es sind Plätze reserviert.

Kollegen: bei uns arbeiten viele Mamas und Papas in Teilzeit. Wir müssen uns oft untereinander ansprechen bei Diensten und Vertretungen.

Fühlen Sie sich gleichberechtigt gegenüber Ihren männlichen Kollegen? Haben Sie die gleichen Chancen?

Wir sind eher ein von Frauen dominierter Bereich.

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Ärztinnen, die über die Familienplanung nachdenken, geben?

Die Betreuung frühzeitig regeln, auch bei Krankheit. Manchmal kann man das „Kindkrank“ nicht nehmen, weil wichtige Termine stattfinden und wenn der Mann auch nicht kann… Die Elternzeit ganz nehmen und dann in Elternzeit Teilzeit arbeiten. Dann ist das Kind im besten Fall 3 Jahre alt und man kann dann auf den vorherigen Stellenanteil aufstocken.