Interview mit einer OÄ und Mutter von 2 Kindern

In welcher Fachrichtung arbeiten Sie, Klinik oder Praxis, Teilzeit oder Vollzeit und wie viele Kinder haben Sie?

Innere Medizin/Hämatologie/Onkologie. Bis zu Kind 1  habe ich Vollzeit gearbeitet, dann ab dem 1. Geburtstag 60%. Jetzt in Elternzeit von Kind 2  habe ich den Jobwechsel in die Allgemeine Innere Medizin als Oberärztin gemacht. Hier habe ich nach 5,5 Monaten Elternzeit  begonnen mit 20%, Aufstockung über 40% bis schließlich 80% zum 1. Geburtstag.

Wie organisieren Sie Ihren Alltag mit Beruf und Kind/ern?

Tagesmutter, Kita/Kindergarten, Großeltern betreuen tagsüber. Ich bringe, mein Mann holt ab und reduziert bzw. modifiziert seine Arbeitszeit nach Bedarf. Er macht meistens auch Kind-krank. In Zukunft kommt noch eine Putzfrau dazu.

Wie haben Sie ihre Auszeit vom Beruf empfunden und würden Sie sich noch einmal für eine Babypause entscheiden?

Auszeit hat gut getan und war dringend nötig. Ich bin gerne zurückgegangen, bin aber genauso gerne bei Kind 2 wieder ausgestiegen.

Welche Probleme sehen Sie in der Vereinbarkeit vom Beruf als Ärztin und Mutter?

Man sitzt immer zwischen den Stühlen: mein Anspruch an mich als Ärztin und an mich als Mutter. Man muss von beiden eine Portion Perfektionismus wegnehmen, dann geht es besser. Überstunden rufen sofort ein schlechtes Gewissen hervor, das Kind abends nicht mehr zu sehen. Teilzeit und pünktlicher Feierabend wird von Kollegen ohne Kinder kritisch gesehen und teilweise nicht unterstützt. Man verliert den Kontakt zu den eigenen Kollegen.

Familiengründung in der Weiterbildungszeit zur Fachärztin – ein kluger Weg?

Ich bin sehr froh, dass ich 6 Wochen vor Geburt von Kind 1 meine FA-Prüfung bestanden habe. Zum einen zieht sich die Ausbildung in die Länge, ggf. sperren sich auch die Rotationsabteilungen gegen die Teilzeit und man muss noch mehr kämpfen, zum anderen lernt es sich ohne (Klein-)Kinder wesentlich einfacher.

Wie haben Sie ihren Wiedereinstieg nach der Kinderpause erlebt?

Teilzeit wird mit Zähneknirschen akzeptiert, Unterstützung gibt es höchstens von anderen Teilzeit-Müttern. Man muss sich doppelt beweisen, um akzeptiert zu werden.

Wie hat sich Ihre Arbeitsweise, nachdem Sie Mutter geworden sind, verändert?

Ich arbeite pragmatischer. Was nicht lebensnotwendig ist, wird ggf liegen gelassen. Teilweise habe ich aber dann auch von zuhause aus weitergearbeitet. Mein überdurchschnittliches Engagement (per Fernzugang am Vorabend schauen, was an den freien Tagen passiert ist, um morgens perfekt vorbereitet bei der Besprechung zu performen) wurde leider als selbstverständlich hingenommen.

Wie sehen Sie die Unterstützung durch Gesellschaft, Arbeitgeber und Kollegen für arbeitende Mütter und Väter?

In der Klinik sind Elternzeit, Teilzeit und arbeitende Mütter noch nicht angekommen – weder in den Köpfen der Chefs, noch in denen der Kollegen. Ich hoffe sehr, dass das vor allem ein Uniklinik-Problem ist und die Kreisklinik das besser macht. So wurde es mir im Bewerbungsgespräch jedenfalls suggeriert…

Fühlen Sie sich gleichberechtigt gegenüber Ihren männlichen Kollegen? Haben Sie die gleichen Chancen?

Nein. Sobald man Teilzeit arbeitet oder auch seine Prioritäten nicht ausschließlich auf die Arbeit konzentriert, muss man überdurchschnittlich viel leisten, um annähernd gleichwertig wahrgenommen zu werden.

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Ärztinnen, die über die Familienplanung nachdenken, geben?

Wenn möglich, zuerst den Facharzt machen. Partner aus nicht-medizinischen Bereichen sind von Vorteil. Sich selbst nach der Elternzeit eine Phase der Selbstfindung und Orientierung gönnen: was ist mir wie wichtig, was erwarte ich von mir in den verschiedenen Rollen, wie bekomme ich alles unter einen Hut? Nicht unterkriegen lassen! Je mehr Mütter in Teilzeit arbeiten, desto eher wird das auch bei Ärztinnen ein akzeptiertes Modell.