Interview mit einer Internistin und Mutter von 2 Kindern

In welcher Fachrichtung arbeiten Sie, Klinik oder Praxis, Teilzeit oder Vollzeit und wie viele Kinder haben Sie?

Aktuell bin ich in Elternzeit mit Kind 2. Davor in der Klinik im Fachbereich Innere Medizin.

Wie organisieren Sie Ihren Alltag mit Beruf und Kind/ern?

Kita und Schwiegereltern.

Wie haben Sie ihre Auszeit vom Beruf empfunden und würden Sie sich noch einmal für eine Babypause entscheiden?

Aufgrund der Empfehlung zum Stillen, wäre eine Auszeit <1 Jahr für mich nicht in Frage gekommen. Der Wiedereinstieg war mit einigen Ängsten verbunden und erforderte in der ersten Zeit Einiges an Selbststudium abends zu Hause.

Welche Probleme sehen Sie in der Vereinbarkeit vom Beruf als Ärztin und Mutter?

Weiterbildung erfolgt bei uns in der Klinik nach erfolgter Stationsarbeit. Daher findet sie bei mir nicht statt, da ich da nach Hause muss um meine Kinder aus der Kita ab zu holen.

Familiengründung in der Weiterbildungszeit zur Fachärztin – ein kluger Weg?

Nach der Facharztausbildung wäre mir zu spät gewesen. Ich sehe es bei vielen Kommilitoninnen, die gewartet haben und nun Probleme haben, schwanger zu werden. Daher bereue ich diese Entscheidung nicht.

Wie haben Sie ihren Wiedereinstieg nach der Kinderpause erlebt?

Kolleginnen ohne Kinder haben sich zum Teil beschwert, dass sie ja auch ein soziales Leben hätten etc. Die Bereitschaft hier die Kollegen mit Kindern zu unterstützen geht gegen 0. Auch das Verständnis, dass man mit krankem Kind zu Hause bleiben muss ist nicht vorhanden.

Wie sehen Sie die Unterstützung durch Gesellschaft, Arbeitgeber und Kollegen für arbeitende Mütter und Väter?

In der Schwangerschaft wurde ich nicht entlastet. Ich hatte die gleiche Patientenzahl zu betreuen, wie Kollegen mit einer vollen Stelle (obwohl ich nur eine 80% Stelle hatte). Überstunden abbauen Fehlanzeige. Binnen 1 Jahres entstanden so 230 Überstunden.

Jetzt denke ich über den Wechsel in eine Allgemeinarztpraxis nach, obwohl mir nur noch 1 Jahr in der Klinik fehlt. Aber 5-6 Dienste pro Monat mit 2 kleinen Kindern ist einfach nur schwer zu realisieren.

Fühlen Sie sich gleichberechtigt gegenüber Ihren männlichen Kollegen? Haben Sie die gleichen Chancen?

Definitiv habe ich nicht die gleichen Chancen. Ich hatte mich in der Neurologie beworben, mit dem Wunsch in Teilzeit zu arbeiten. Ich wurde auch zum Bewerbungsgespräch eingeladen, um dort gesagt zu bekommen, in Vollzeit oder gar nicht.

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Ärztinnen, die über die Familienplanung nachdenken, geben?

Ich hoffe, dass es endlich mal sinnvolle Teilzeitmodelle in der Medizin in der Klinik gibt. In Praxen ist dies einfacher möglich. Denn die Lösung 2 Wochen voll arbeiten, 2 Wochen frei, bringt mir als Mutter leider nichts. 80% Stelle haben, aber 100% arbeiten ist das, was ich aktuell erfahren habe. Das brennt auf Dauer aus und führt zu vermeidbaren Fehlern .