Interview mit einer Geriaterin und Mutter eines Sohnes

In welcher Fachrichtung arbeiten Sie, Klinik oder Praxis, Teilzeit oder Vollzeit und wie viele Kinder haben Sie?

Ich habe 1 Kind (3 Jahre) und ich arbeite Teilzeit in einem Städtischen Krankenhaus in der Geriatrischen Klinik. Es zählt als Basisweiterbildung Innere Medizin und ich habe als Berufsanfänger angefangen. Wir haben das feste Konzept, dass eine Station mit einer Teilzeit- und einer Vollzeitstelle besetzt wird (je 9 und 12 Patienten). Meine Wochenarbeitszeit beträgt 30 Stunden, verteilt auf 6 Stunden pro Tag (8-14 Uhr), 2 Nachtdienstzyklen pro Jahr (Fr-So, oder Mo-Do) plus ca 10-12 Wochenendvisiten à 3 Stunden pro Jahr + Feiertage.

Wie organisieren Sie Ihren Alltag mit Beruf und Kind/ern?

Großeltern wohnen ca 80 km, bzw. 700 km weit weg, vor Ort haben wir keine Unterstützung. Wir haben einen Vollzeitbetreuungsplatz in einer KiTa. Mein Mann bringt ihn und ich hole ihn ab. Krankheitszeiten werden meist von meinem Mann abgefangen, oder er wartet bis ich gegen 14 Uhr nach Hause komme und geht dann auf die Arbeit und bleibt dann länger. Die einzige Haushaltshilfe die wir haben, ist ein Saugroboter (und jeden Cent wert).

Wie haben Sie ihre Auszeit vom Beruf empfunden und würden Sie sich noch einmal für eine Babypause entscheiden?

Ich habe mein Kind während des Studiums bekommen, 3 Wochen nach dem 2. STEX. Nach 6 Monaten hab ich mein PJ in 50 % Teilzeit begonnen. Mein Mann hat ihn vormittags betreut und seine Stunden reduziert. Mittags ist er dann auf die Arbeit, nachdem ich zurück war. Dies würde ich nicht wieder machen, der Zeitpunkt war definitiv zu früh. Die ersten Wochen waren hart, aber dann ging es langsam besser. Aufgrund der Gesamtsituation und dem fehlenden sozialem Backup, wird es wohl bei einem Kind bleiben.

Welche Probleme sehen Sie in der Vereinbarkeit vom Beruf als Ärztin und Mutter?

Die Unplanbarkheit der Akutmedizin. Hohe Ansprüche an einen selbst. Wenn der Druck steigt (ich muss gleich los, aber noch dies und das), dann entstehen Fehler. Mal kleine, mal große, aber die Patienten können Schaden nehmen. Im stressigen Alltag, besteht kaum Chance die nötigen Funktionsuntersuchungen zur Facharzt-Weiterbildung zu bekommen.

Familiengründung in der Weiterbildungszeit zur Fachärztin – ein kluger Weg?

Kann ich nicht beurteilen.

Wie haben Sie ihren Wiedereinstieg nach der Kinderpause erlebt?

Im PJ wurde ich komisch angeguckt, wenn ich nach 4 Stunden wieder gegangen bin. Das war mir damals noch egal.  Es hatte den Vorteil, dass ich nie in lange Operationen musste, weil man mich um 11 Uhr nicht auslösen konnte (weil noch keiner gegessen hatte).

Wie hat sich Ihre Arbeitsweise, nachdem Sie Mutter geworden sind, verändert?

Kann ich nicht beurteilen. Ich war eigentlich immer recht gut organisiert und vorausschauend. Inzwischen dekompensiere ich recht schnell, da auch am Wochenende kaum Zeit für die eigene Erholung ist.

Wie sehen Sie die Unterstützung durch Gesellschaft, Arbeitgeber und Kollegen für arbeitende Mütter und Väter?

In der „normalen“ Inneren Medizin hätte ich keine Teilzeit-Stelle bekommen. Wenn ich das aus meiner jetzigen Perspektive analysiere, ist das auch verständlich. Ich bin froh, dass mein Mann einen flexiblen und entspannten Arbeitgeber hat.

Fühlen Sie sich gleichberechtigt gegenüber Ihren männlichen Kollegen? Haben Sie die gleichen Chancen?

Ja, da wir alle aktuell kaum Funktionsuntersuchungen bekommen.

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Ärztinnen, die über die Familienplanung nachdenken, geben?

Hängt von der Fachrichtung ab. Das erste Jahr in der KiTa ist viel von Krankheit durchzogen, überlegt euch, ob ihr das mit sozialem Backup abgedeckt bekommt, sonst werdet ihr (leider) ständig als der Buh-Mann dargestellt. Guckt euch im Kollegium um, sind da schon Teilzeit-Stellen? Sprecht miteinander, tauscht euch aus. Einmal bei der Ärztekammer nachfragen, wie sich die Weiterbildungszeit verlängert. Wie ist der aktuelle Weiterbildungstand, was fehlt noch? Kann man vielleicht die Abteilung oder von der Akutmedizin in die Reha wechseln, weil es da planbarer ist? (Reha-Klinik oder Geriatrie).