Interview mit einer Chirurgin und Mutter von zwei Kindern

In welcher Fachrichtung arbeiten Sie, Klinik oder Praxis, Teilzeit oder Vollzeit und wie viele Kinder haben Sie?

Eigentlich in der Viszeralchirurgie. Seit Oktober aber in der Notaufnahme, also in der Klinik. Ich arbeite 80%=33,6h. Ich habe 2 Töchter (18 Monate und 3 1/2 Jahre).

Wie organisieren Sie Ihren Alltag mit Beruf und Kind/ern?

Wir haben einen Kitaplatz mit 45h Betreuung pro Woche. Die 9 Stunden am Tag können wir zwischen 07:00 und 18:00 Uhr nehmen. Unsere Kita (Betriebskita meines Mannes) ist da zum Glück sehr flexibel. Wenn ich Spätdienst bis 19:00 Uhr habe, muss mein Mann allerdings auch früher Feierabend machen um die Mädels abzuholen. Ansonsten versuche ich alles weit im Voraus zu planen. Und Waschmaschine etc. kann man programmieren. Wir haben zum Glück eine liebe Fee, die unser Haus einmal pro Woche putzt.

Wie haben Sie ihre Auszeit vom Beruf empfunden und würden Sie sich noch einmal für eine Babypause entscheiden?

Ich habe das Jahr Elternzeit jedesmal genossen und würde es wohl wieder so machen. Allerdings wollen wir keine weiteren Kinder. Und zum Schluss habe ich mich doch jedes Mal sehr gefreut wieder in den Beruf einsteigen zu können.

Welche Probleme sehen Sie in der Vereinbarkeit vom Beruf als Ärztin und Mutter?

Sehr viele. Das fing bei mir schon in der Schwangerschaft an. Ich durfte absolut nichts mehr machen, obwohl die Anästhesie für meine Patienten extra eine TIVA (Total intravenöse Anästhesie) gemacht hätte. Ich war dann insgesamt sehr lange der Stations“depp“ und eine bessere Sekretärin für meinen Chef. Aktuell steht bei uns die Betreuung bei kranken Kindern im Fokus. Es fehlt an Verständnis bei den Kollegen und zehn Tage pro Jahr sind nach fast zwei Monaten Arbeiten schon verbraucht. Glück habe ich jedoch mit meinen Arbeitszeiten. Die sind flexibel und gut planbar für mich.

Familiengründung in der Weiterbildungszeit zur Fachärztin – ein kluger Weg?

Ich denke es gibt keine schlaue Alternative. Ich wollte eigentlich immer erst FA sein, bevor die Kinder kommen. Nun bin ich es dank der Kinder und einem Bundeslandwechsel immer noch nicht.

Wie haben Sie ihren Wiedereinstieg nach der Kinderpause erlebt?

Durchweg positiv.

Wie hat sich Ihre Arbeitsweise, nachdem Sie Mutter geworden sind, verändert?

Ich denke, dass ich meine Arbeit noch mehr strukturiere und genieße.

Wie sehen Sie die Unterstützung durch Gesellschaft, Arbeitgeber und Kollegen für arbeitende Mütter und Väter?

Insgesamt eher negativ. Mein Mann muss sich auch erst mit der Tatsache abfinden, dass ich nun wieder arbeiten bin. Mein Chef ist super und hat volles Verständnis, da er selbst zwei Kinder im gleichen Alter hat. Die Kollegen könnten manchmal noch mehr Verständnis zeigen.

Fühlen Sie sich gleichberechtigt gegenüber Ihren männlichen Kollegen? Haben Sie die gleichen Chancen?

Ja, aktuell auf jeden Fall. In der Chirurgie sähe das sicher anders aus.

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Ärztinnen, die über die Familienplanung nachdenken, geben?

Einfach machen. Kinder passen zeitlich nie. Aber man sollte nicht darauf verzichten zu Gunsten des Jobs.