Interview mit der „saftmoppel“ @saftmoppel on twitter

In welcher Fachrichtung arbeiten Sie, Klinik oder Praxis, Teilzeit oder Vollzeit und wie viele Kinder haben Sie?

Ich arbeite als Oberärztin in der Unfallchirurgie eines mittelgroßen Hauses mit einer 80% Teilzeit-Stelle und habe 2 Kinder (fast 5 und 2,5 Jahre).

Wie organisieren Sie Ihren Alltag mit Beruf und Kind/ern?

Ich habe einen Teilzeit-Göttergatten, der die Kinder zur KiTa bringt und gegen 15h wieder abholt, damit ich 4 Tage pro Woche von 7-16h mit Inbrust Knochen flicken kann.

Wie haben Sie ihre Auszeit vom Beruf empfunden und würden Sie sich noch einmal für eine Babypause entscheiden?

In der ersten Schwangerschaft war ich noch Assistenzärztin und habe die Notfallambulanz geschmissen. Nur Stationsarbeit wäre ein Todesurteil gewesen. In der zweiten Schwangerschaft war ich bereits Oberärztin und musste dann leider unsere Termin- und BG-Ambulanz schmeißen.
Bei beiden Kindern war ich 8 Monate in Elternzeit. Die Zeit war schön, aber wenig ausfüllend für mich. In der ersten Schwangerschaft litt ich an einer heftigen postnatalen Depression, beim zweiten Mal wurde ich verschont, dank frühzeitigem Abstillen.
Ich würde immer wieder diese 8 Monate Auszeit nehmen, aber länger kann ich nicht „nur“ mit Kind aushalten. Dafür brenne ich zu sehr für meinen Job!

Welche Probleme sehen Sie in der Vereinbarkeit vom Beruf als Ärztin und Mutter?

Auch wenn ich persönlich keine negativen Erfahrungen gemacht habe, sehe ich in den operativen Fächern durchaus, dass Mütter in Teilzeit auf das Abstellgleis geraten. D.h. wenig oder gar nicht operieren und schlecht in den Klinikalltag integriert werden. Ich arbeite an 4 Tagen zu den normalen Zeiten und habe 1 Tag/Woche frei. 8x/Monat bediene ich die Hintergrunddienste inklusive Wochenenden mit. Das geht nur durch meinen leidensfähigen Mann.

Familiengründung in der Weiterbildungszeit zur Fachärztin – ein kluger Weg?

Kann man nicht pauschal beantworten. Ich habe nach dem Facharzt mit dem Kinder kriegen angefangen. Aber nicht jeder geht direkt von der Schule ins Studium und ist mit 31 Jahren Facharzt. Die biologische Uhr tickt leider für uns alle.

Wie haben Sie ihren Wiedereinstieg nach der Kinderpause erlebt?

 Extrem positiv! Kurz nach meinem Wiedereinstig bekam ich nach dem ersten Kind eine OÄ-Stelle offeriert.

Wie hat sich Ihre Arbeitsweise, nachdem Sie Mutter geworden sind, verändert?

Ich denke, dass meine Arbeit effizienter geworden ist. Die postnatale Depression hat mich tatsächlich verändert…. Ich denke, ich bin empathischer und rücksichtsvoller gegenüber Patienten mit psychischen Erkrankungen oder PTBS (posttraumatischen Belastungsstörungen) geworden.

Wie sehen Sie die Unterstützung durch Gesellschaft, Arbeitgeber und Kollegen für arbeitende Mütter und Väter?

Ich denke, es gibt noch viiiiiel Luft nach oben.

Fühlen Sie sich gleichberechtigt gegenüber Ihren männlichen Kollegen? Haben Sie die gleichen Chancen?

Ich habe einen Chef, der meine Arbeitsleistung zu schätzen weiß und sie auch honoriert. Ich habe sicher die gleichen, wenn nicht besseren Chancen wie meine männlichen Kollegen! Allerdings glaube ich aus Berichten anderer Kolleginnen aus anderen Häusern, dass dies sicher ein seltener Fall ist!

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Ärztinnen, die über die Familienplanung nachdenken, geben?

Bekommt die Kinder, die ihr wollt! Arbeiten kannst Du immer wieder, Facharzt wird jeder irgendwann, aber Kinder gebären kannst Du nur in einer kurzen Spanne Deines Lebens. Wenn Du Kinder willst, dann krieg sie. Der Verlust ohne sie zu leben, wird durch keine Karriere der Welt aufgewogen!!!