Interview mit einer Chirurgin und Mutter von zwei Kindern

In welcher Fachrichtung arbeiten Sie, Klinik oder Praxis, Teilzeit oder Vollzeit und wie viele Kinder haben Sie?

Fachärztin für Chirurgie, jetzt in 35h-Stelle in der Krankenhaushygiene in der Klinik, 2 Kinder.

Wie organisieren Sie Ihren Alltag mit Beruf und Kind/ern?

Vollzeit-Kitaplatz (7-17h) bzw. Hortplatz nach der Schule, keine Dienste, Haushaltshilfe, Netzwerk von Verwandten, Freunden und Nachbarn.
Damit klappen Beruf und Familie, persönliche Freizeit bleibt nicht übrig.

Wie haben Sie ihre Auszeit vom Beruf empfunden und würden Sie sich noch einmal für eine Babypause entscheiden?

Die Auszeit nach den Geburten (jeweils ein Jahr) habe ich gebraucht. Beim ersten Kind, um mich an die Situation als Mutter anzupassen, beim zweiten dann um beiden Kindern gerecht zu werden.

Welche Probleme sehen Sie in der Vereinbarkeit vom Beruf als Ärztin und Mutter?

Ich habe nach dem zweiten Kind die Abteilung gewechselt, um planbarere Arbeitszeiten zu haben und dem Dienstsystem zu entkommen.

Familiengründung in der Weiterbildungszeit zur Fachärztin – ein kluger Weg?

Meine Kinder habe ich erst nach der Facharztprüfung bekommen. So hatte ich es im Vergleich zu meinen Kolleginnen einfacher, die jetzt in Teilzeit eine gefühlte Ewigkeit für die Weiterbildung benötigen.

Wie haben Sie ihren Wiedereinstieg nach der Kinderpause erlebt?

Der Einstieg bei beiden Kindern hat sehr gut geklappt. Ich war jeweils ein Jahr zu Hause und bin dann in Teilzeit mit 30h wieder eingestiegen. Jetzt habe ich die Stunden erhöht.

Wie hat sich Ihre Arbeitsweise, nachdem Sie Mutter geworden sind, verändert?

Die Arbeit ist konzentrierter und fokussierter geworden. Währende in der Vergangenheit der Dienstschluss eine fließende Größe war, versuche ich jetzt, pünktlich fertig zu sein.
Ich setze meine Prioritäten fester und grenze mich auch besser ab.

Wie sehen Sie die Unterstützung durch Gesellschaft, Arbeitgeber und Kollegen für arbeitende Mütter und Väter?

Bei meinem Arbeitgeber hatte ich bisher nicht das Gefühl als Frau oder als Mutter benachteiligt zu sein. Inzwischen gehören Ärztinnen mit Kind zur Normalität.
Beruflich gesehen habe ich eine Nische gefunden, in der ich gebraucht werde und gleichzeitig flexibel sein kann. Zum Glück sind meine Kinder selten krank. Eltern, die mit kranken Kindern zu Hause bleiben müssen, werden bei den Kollegen häufig nicht so gern gesehen.
In der Gesellschaft sind arbeitende Mütter noch lange nicht so akzeptiert wie arbeitende Väter. Es gibt aber Bewegung im System. Zunehmend arbeiten Männer Teilzeit, passen auf die kranken Kinder auf oder verzichten zugunsten ihrer Partnerin auf beruflichen Aufstieg.

Fühlen Sie sich gleichberechtigt gegenüber Ihren männlichen Kollegen? Haben Sie die gleichen Chancen?

Ich fühle mich gleichberechtigt, denke aber, dass es Männer in manchen Situationen leichter haben.

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Ärztinnen, die über die Familienplanung nachdenken, geben?

Jeder muss für sich selbst entscheiden, wann und ob er eine Familie haben will. Für mich war das Warten bis nach dem Facharzt die richtige Entscheidung.