Interview mit einer Allgemeinmedizinerin und Mutter von 3 Kindern

In welcher Fachrichtung arbeiten Sie, Klinik oder Praxis, Teilzeit oder Vollzeit und wie viele Kinder haben Sie?

Ich mache die Fachweiterbildung Allgemeinmedizin und absolviere gerade den klinischen internistischen Teil in einer onkologischen Rehaklinik. Ich habe 3 Kinder, 16, 7 und 3 Jahre alt.

Wie organisieren Sie Ihren Alltag mit Beruf und Kind/ern?

Mein Mann arbeitet Vollzeit als Chirurg und pendelt noch dazu, so dass ich alles in der Regel alleine organisiere. Ich arbeite 30 h/Woche. Morgens versorge ich die Kinder, die Jüngste bringe ich auf dem Weg zur Arbeit in den Kindergarten, die beiden Älteren gehen alleine. Ich fahre nur 5 Minuten zur Arbeit und fange um 8 Uhr an. Um 14:30 Uhr habe ich Feierabend, häufig schaffe ich es auch pünktlich raus. Auf dem Heimweg hole ich die Jüngste im Kindergarten ab. Der Mittlere kann bis 15 Uhr in der Schulbetreuung bleiben und kommt dann heim. Für Notfälle hat er einen Schlüssel. Wenn ich Dienst habe unter der Woche, springen meine Eltern ein. Die Kleinen schlafen dann auch da, denn mein Mann muss morgens schon kurz nach 6 weg, da haben Kindergarten und Schule noch nicht auf.

Wie haben Sie ihre Auszeit vom Beruf empfunden und würden Sie sich noch einmal für eine Babypause entscheiden?

Ich habe meine Älteste schon in meiner Ausbildung bekommen (ich war Krankenschwester) und die beiden Jüngeren im Studium. Habe also keine Babypause gemacht.

Welche Probleme sehen Sie in der Vereinbarkeit vom Beruf als Ärztin und Mutter?

Häufig arbeitet man als Mutter in Teilzeit. Ist man, so wie ich, noch in der Facharztweiterbildung, so verlängert sich diese dadurch deutlich. Dadurch, dass mein Mann bereits in einem operativen Fach arbeitet und dementsprechend schwierige, familienunfreundliche Arbeitszeiten hat, könnte ich meinen Traumjob in der Urologie nicht machen – wir hätten sonst die Kinderbetreuung nicht sicherstellen können.

Familiengründung in der Weiterbildungszeit zur Fachärztin – ein kluger Weg?

Ich bin als 3-fache Mutter in die Facharztweiterbildung gegangen. Somit habe ich zwar keine Ausfallzeiten durch Elternzeit, dafür hab ich aber noch nie Vollzeit gearbeitet. Ich wusste also, dass meine Weiterbildung mindestens 6,7 Jahre dauern wird, statt 5. Hinzu kommt, dass ich von Anfang des Berufslebens an, schulpflichtige Kinder hatte und dadurch immer auf Urlaub in den Schulferien angewiesen bin, was gerade im Sommer zu Schwierigkeiten führt.

Wie haben Sie ihren Wiedereinstieg nach der Kinderpause erlebt?

Keine Pause, wie oben beschrieben. 😉

Wie hat sich Ihre Arbeitsweise, nachdem Sie Mutter geworden sind, verändert?

Die Frage kann ich dementsprechend nicht beantworten.

Wie sehen Sie die Unterstützung durch Gesellschaft, Arbeitgeber und Kollegen für arbeitende Mütter und Väter?

Von Arbeitgeberseite und auch von den meisten Kollegen her, ist das bei mir zum Glück kein Problem. Anderweitig fehlt es jedoch. Gäbe es beispielsweise für mich die Möglichkeit, meine Kinder ab morgens um 06:30 Uhr betreuen zu lassen, wäre für mich auch ein Job in einem operativen Fach möglich. Wir wohnen in einer Kleinstadt mit 80000 Einwohnern. Unser Stadtteil ist jedoch ein Dorf, gerade die Grundschulbetreuung ist schwierig.

Fühlen Sie sich gleichberechtigt gegenüber Ihren männlichen Kollegen? Haben Sie die gleichen Chancen?

In meinem speziellen Fall ist die Gleichberechtigung auf jeden Fall da, der große Vorteil der Rehaklinik.

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Ärztinnen, die über die Familienplanung nachdenken, geben?

Unbedingt ein Netzwerk schaffen, gerade was Kinderbetreuung angeht. Unser Job ist oft nicht planbar, ein Backup zu haben ist sehr sinnvoll. Und wenn man in Teilzeit arbeitet, sich nicht aufs Abstellgleis schieben lassen!