Interview mit einer Allgemeinmedizinerin und Mutter eines Sohnes

In welcher Fachrichtung arbeiten Sie, Klinik oder Praxis, Teilzeit oder Vollzeit und wie viele Kinder haben Sie?

Facharztausbildung für Allgemeinmedizin, momentan in der Inneren Medizin, Klinik, Teilzeit 50% (1 Kind, bald 2 Jahre alt)

Wie organisieren Sie Ihren Alltag mit Beruf und Kind/er?

Da ich Dienste und zur Zeit monatlich wechselnde Arbeitszeiten habe, steckt da sehr sehr viel Organisation dahinter (Absprechen mit der Kita, kurzfristigen Anpassungen der Arbeitszeiten von meinem Mann, Aushelfen von Omas, Opas und Tante). Kompliziert wird es dann vor allem, wenn mein Sohn krank wird, was zur Zeit eigentlich dauernd der Fall ist : )

Wie haben Sie ihre Auszeit vom Beruf empfunden und würden Sie sich noch einmal für eine Babypause entscheiden?

Die Umstellung in den ersten Wochen/Monate war hart, von einem selbstbestimmten Leben zur völligen Fremdbestimmung durch das Kind. Dazu noch die körperliche und seelische Erschöpfung nach der Geburt…Aber nach ca 3 Monaten ging es bergauf, Stück für Stück, und ich habe dann die Zeit mit meinem Kind sehr genossen.

Welche Probleme sehen Sie in der Vereinbarkeit vom Beruf als Ärztin und Mutter?

Das größte Problem sehe ich darin, dass wir mit Menschen arbeiten und dadurch unsere Arbeitszeiten nicht planbar sind. Pünktlich meinen Sohn um 17:00 Uhr in der Kita abzuholen (wie ich das eigentlich bevor ich wieder angefangen hatte zu arbeiten geplant hatte) ist momentan für mich ein Ding der Unmöglichkeit, mein Mann und die Großeltern müssen aushelfen.

In vielen anderen Berufen „gönnt“ man sich vielleicht eine längere Elternzeit. In der Medizin ist das schwieriger, weil man in der Elternzeit doch extrem viel vergisst und aus der Übung kommt, neue Entwicklungen verpasst, sich die Facharztausbildung ewig zieht, die Einarbeitung in Teilzeit schwieriger ist…

Familiengründung in der Weiterbildungszeit zur Fachärztin – ein kluger Weg?

Ein großer Vorteil ist das geschützte Angestelltenverhältnis, da hat man als Selbstständiger wesentlich mehr Probleme. Als angestellte Fachärztin ist man natürlich in der besten Situation, aber kann man das immer so planen? Umso älter man wird, umso unwahrscheinlicher eine Schwangerschaft. Ich habe das auch bei einer Freundin miterlebt, die als fertige Fachärztin nur noch in der Klinik geblieben ist, weil sie darauf wartete, und wartete schwanger zu werden…

Wie haben Sie ihren Wiedereinstieg nach der Kinderpause erlebt?

Ich bin erst seit 3 ½ Monaten halbtags wieder arbeiten, deshalb stecke ich da wohl noch mitten drin. Ich habe schon erwartet, dass der Wiedereinstieg nach  1 ½ Jahren hart wird, da ich wegen Umzug ganz neu in einer Klinik mit einem anderen Schwerpunkt angefangen habe und ich mit Kitabeginn auch mit vielen Krankheiten gerechnet habe.

Es ist leider eher noch schlimmer gekommen, als befürchtet, was mit an der Teilzeit (arbeite 5 Tage am Stück, dann wieder eine Woche frei, in der man dann wieder alles vergisst) und an den ständigen Krankheiten liegt, die wir immer alle nacheinander durchmachen.

Wie hat sich Ihre Arbeitsweise, nachdem Sie Mutter geworden sind, verändert?

Ich versuche schneller und effizienter zu Arbeiten, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wenn ich aber unbedingt weg muss, um mein Kind von der Kita abzuholen, bleibt leider auch mal was liegen oder muss von Kollegen übernommen werden, was mir eigentlich total unangenehm ist. Daran habe ich mich noch nicht gewöhnt.

Wie sehen Sie die Unterstützung durch Gesellschaft, Arbeitgeber und Kollegen für arbeitende Mütter und Väter?

Insgesamt hat sich da schon einiges getan, wenn ich es mit den Zeiten meiner Mutter vergleiche. Durch Elterngeld und die vielen neuen Kitas mit guten Öffnungszeiten haben wir ganz andere Möglichkeiten. Aber ohne die Großeltern würde es bei uns nicht gehen, was an der mangelnden Flexibilität der Kita liegt. Das Kind dann abholen, wenn man selbst mit der Arbeit fertig ist und nicht um z.B. Punkt 17:00 Uhr, müsste möglich sein.

Fühlen Sie sich gleichberechtigt gegenüber Ihren männlichen Kollegen? Haben Sie die gleichen Chancen?

Nein. Väter fällt es noch immer leichter, Beruf und Familie zu vereinen. Aber andererseits ist eine Mutter in den ersten Lebensmonaten und -jahren eine zentrale Bezugsperson, sie ist schwanger und nicht der Mann, nur sie kann das Baby stillen. Deshalb kann eine vollkommene Gleichberechtigung wahrscheinlich nie erreicht werden.

Aber durch großflächige, flexible Kitaangebote und flexible Arbeitszeitmodelle kann noch vieles verbessert werden!

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Ärztinnen, die über die Familienplanung nachdenken, geben?

 Ein Kind ist nicht planbar, weder vor noch nach der Geburt : )