Interview mit der „traveleve“ @Traveleve2 on twitter

In welcher Fachrichtung arbeiten Sie, Klinik oder Praxis, Teilzeit oder Vollzeit und wie viele Kinder haben Sie?

Anästhesie, Vollzeit, allein erziehend,  1 Kind

Wie organisieren Sie Ihren Alltag mit Beruf und Kind/ern?

Großeltern, betteln beim DIENSTPLAN, Freunde.

Wie haben Sie ihre Auszeit vom Beruf empfunden und würden Sie sich noch einmal für eine Babypause entscheiden?

Ich war 1 Jahr zuhause und es war zu lange. Ich hab mich echt auf das arbeiten gefreut. Aber ich fand es sehr schade, dass z.B. ein zwischendurch Arbeiten mit z.B. 1 Dienst pro Monat nicht ging oder kein Nachtdienst. Entweder mindestens 4 Nachtdienste oder gar nicht. Das war mit Stillen ein Problem.

Welche Probleme sehen Sie in der Vereinbarkeit vom Beruf als Ärztin und Mutter?

Dass dich als Ärztin niemand ernst nimmt. Man ist die „Hobbyärztin“ mit dauernder Rechtfertigung wegen den Kindern. Es ist anscheinend nicht normal, dass man arbeiten will UND zum Kindergartenfest.

Familiengründung in der Weiterbildungszeit zur Fachärztin – ein kluger Weg?

Ja.  Ich hatte ein guten Vertrag.

Wie haben Sie ihren Wiedereinstieg nach der Kinderpause erlebt?

„Jetzt schauen wir mal, was sie noch kann.“
„Jetzt sehen wir mal, ob die Stilldemenz vorbei ist“. Mein erster Tag war ich gleich bei den Kindernarkosen eingeteilt.

Wie hat sich Ihre Arbeitsweise, nachdem Sie Mutter geworden sind, verändert?

Ich versuche noch mehr zu geben, um gleiches Standing zu haben. Ich will aber auch pünktlich raus und fordere meine Rechte ein.
Eigentlich fordere ich ständig meine Rechte ein.

Wie sehen Sie die Unterstützung durch Gesellschaft, Arbeitgeber und Kollegen für arbeitende Mütter und Väter?

„Wieso tust du dir das an?“ ist keine Unterstützung.
Dass mir mein Job Spaß macht, vergessen alle.
Kollegen älterer Semester, werfen mir vor, nicht flexibel in der Arbeit zu sein und sagen, dass ich Teilzeit arbeiten gehen soll. Ich will nicht, kann das auch finanziell nicht. Und außerdem geht es niemanden etwas an. Ich arbeite 2 Wochenenden pro Monat, wenn  mein Kind beim Vater ist und leiste mehr fürs Team als der Durchschnittsmann.  Das fällt nur niemandem auf.

Fühlen Sie sich gleichberechtigt gegenüber Ihren männlichen Kollegen? Haben Sie die gleichen Chancen?

Nein. Ihnen hört man zu. IHRE Karriere wird aktiv gefördert. Wir müssen unsere Stimmen erheben und kämpfen. Gehen sie in Elternteilzeit, sind sie die Helden. Wir sind die Mütter, die faul sind.

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Ärztinnen, die über die Familienplanung nachdenken, geben?

Mach, was Du machen willst. Rechne mit Widerstand. Denn für die Gesellschaft ist es, wie auch immer du es machst, falsch. Mach es für dich so, wie du glaubst.