Interview mit der „Fury Rodster“ @E_Fury on twitter

In welcher Fachrichtung arbeiten Sie, Klinik oder Praxis, Teilzeit oder Vollzeit und wie viele Kinder haben Sie?

Klinik, Neonatologische Intensivstation, Level 1, kinderkardiologisch vorgebildet. Ich arbeite 80%. Das bedeutet in der Realität etwa 40-45h in der Woche. Wir haben zwei Kinder, 2 und 5 Jahre.

Wie organisieren Sie Ihren Alltag mit Beruf und Kind/ern?

Wir sind im Sommer aus der Großstadt wieder in die Nähe meiner Eltern gezogen, weil es ohne Oma und Opa nicht mehr ging. Die Kinder könnten von 7:30h bis 17h in die Kita, das nutzen wir aber nur sehr selten aus. Die Kinder werden auch von Oma, Opa oder der Tante abgeholt, wenn ich Spät- oder Nachtdienst habe. Da mein Mann auch Arzt in der Klinik ist und Notarzt fährt, würden wir ohne Großeltern nicht mehr arbeiten können.

Wie haben Sie ihre Auszeit vom Beruf empfunden und würden Sie sich noch einmal für eine Babypause entscheiden?

Auszeit von der Klinik und den Diensten war schön und sehr anstrengend. Denn auch mit Kindern kommt man nicht zum schlafen… und ich habe die mentale und intellektuelle Herausforderung vermisst, auch den Austausch mit den Kolleg/Innen und Patienten. Zudem habe ich auch ein paar Dinge wieder neu erlernen müssen nach der Elternzeit. Das fand ich herausfordernd. Trotzdem: die Zeit mit den Kindern in dem Alter ist durch nichts zu ersetzen.

Welche Probleme sehen Sie in der Vereinbarkeit vom Beruf als Ärztin und Mutter?

Schlechte und unflexible Betreuungszeiten. Zu viele Kita Termine sind mitten am Tag. Zu viele Schließtage sind außerhalb der Feiertage. Außerdem ist da ein wahnsinniger Druck, in beiden Welten so performen zu müssen, wie Mütter, die nicht arbeiten und Kolleginnen ohne Kinder. In der Klinik sind kurzfristige Dienstplanänderungen und Überstunden (geplant und ungeplant) das Schlimmste.

Familiengründung in der Weiterbildungszeit zur Fachärztin – ein kluger Weg?

Für mich und uns, ja, auf jeden Fall. Wir waren jung und fit genug für diese Herausforderungen und in meinem Feld ändert sich nach der Facharztprüfung nicht viel. Gleiche Aufgaben, fast das gleiche Gehalt, etwas mehr Verantwortung. Ich bereue es ganz und gar nicht.

Wie haben Sie ihren Wiedereinstieg nach der Kinderpause erlebt?

Alle waren hocherfreut, dass ich wieder da war. Auch der Familie und den Kindern tat es gut. Denn ich war entspannter, ausgeglichener, weil ich nicht mehr nur Mutti war.

Wie hat sich Ihre Arbeitsweise, nachdem Sie Mutter geworden sind, verändert?

Ich bin deutlich effektiver, trödel bei den Übergaben weniger, verbringe weniger Zeit, mit den Schwestern zu plaudern. Den Patienteneltern gegenüber bin ich deutlich empathischer. Und es ist lustiger – der Alltag mit den Zwergen bietet viele Anekdoten.

Wie sehen Sie die Unterstützung durch Gesellschaft, Arbeitgeber und Kollegen für arbeitende Mütter und Väter?

Sehr unterschiedlich. Die Oberärzte haben viel Verständnis – die Chefs der alten Riege nicht. Aus der Familie ernten wir zum Teil großen Respekt, zum Teil Verständnislosigkeit.

Fühlen Sie sich gleichberechtigt gegenüber Ihren männlichen Kollegen? Haben Sie die gleichen Chancen?

Auf gar keinen Fall. Die Oberarztstellen, Weiterbildungsprogramme etc. werden zu 90% an die Jungs oder die kinderlosen Frauen vergeben. Ich muss viel mehr kämpfen, drängen, drauf bestehen, etc.

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Ärztinnen, die über die Familienplanung nachdenken, geben?

Offen mit den Kollegen, Chefs und Oberärzten kommunizieren, was man braucht und was man leisten kann und will. Und das immer wieder neu anpassen. Sich Hilfe holen für den Haushalt, das Einkaufen etc. Und wenn Oma und Opa nicht da sind, ernsthaft über einen Umzug, ein Au-pair-Mädchen oder Anpassung der Arbeitsbedigungen nachdenken – sprich Praxis oder deutliche Arbeitszeitverkürzung. Sonst geht man schnell am Stock und alle sind unzufrieden. Ich habe auch immer offen mit den Kindern gesprochen, dass ich sehr gerne Kinderärztin bin und sie in meine Arbeit mit einbezogen – das steigerte Ihr Verständnis enorm. Und zu den wichtigen Terminen bin ich immer da. Auch wenn die Kinder krank sind. Aber eben nicht zu jedem Bastel-/Aufräum-/ oder Spielenachmittag in der Kita. Das führt zu einer guten Balance. Ich glaube, man muss ganz ehrlich zu sich und der Umgebung sein: was will ich, was kann ich leisten und was eben auch nicht. Und danach muss man planen. Aber das ist nur meine Sicht der Dinge. Ich für mich kann sagen: es gibt nichts schöneres als Kinder zu haben und Kinderärztin zu sein.