„Der Patient lehnt die Überwachung ab“

Koffer

Sonntagmorgen, 9 Uhr. Ich habe 15 der 80 Patienten auf unseren Stationen visitiert. Bereits jetzt sind drei ungeplante Entlassungen dazu gekommen. Patienten, die am Vortag betrunken und gestürzt auf unserer Station gelandet sind, möchten gerne nach Hause.

So auch eine junge Frau mit unkompliziertem Schädel-Hirn-Trauma, die nach 24 Stunden neurologischer Überwachung nun genug von der schnarchenden Bettnachbarin hat. Ein Berg an zusätzlicher Arbeit. Denn kein Patient verlässt das Haus ohne Entlassbrief. Schriftliche Anordnung vom Chef.

Nun gut, kein Problem. Die Patienten müssen sich nur etwas gedulden.

Als ich im 30. Zimmer ankomme, ist es bereits 11:30 Uhr. Ein weiterer Patient möchte gerne nach Hause gehen, da seine Freundin heute Geburtstag feiert. Er ist Anfang 20 und war vor drei Tagen als Fahrer in einen Autounfall verwickelt. Sein Schlüsselbein, mehrere Rippen und das Handgelenk sind gebrochen. Wir werden ihn erst Anfang nächster Woche operieren. Leider hat er auch noch eine kleine Milzlazeration. Ein subkapsuläres Hämatom, das konservativ behandelt wird. Erst heute Morgen wurde er von der Intensivstation auf unsere Normalstation verlegt. Die Hb-Werte sind stabil.

Mein Ratschlag kommt nicht gut an

Ich rate ihm, zu bleiben. Irgendwie hält er von meinem Ratschlag nichts. Er fühle sich eingesperrt, sagt er, ein Krankenhaus sei schließlich kein Gefängnis. Er könne selbst entscheiden und ihm gehe es gut. Zur operativen Versorgung käme er dann einfach am Dienstag wieder. Er merkt an, dass auch sein Bettnachbar nach Hause gehen dürfe. Und den habe schließlich vor zwei Tagen eine dicke Eisenstange am Schädel erwischt, das sei ja wohl schwerwiegender.

Er hat Recht. Natürlich darf er selbst entscheiden. Aber das mit der schwerwiegenden Traumafolge schätzt er leider falsch ein. Ich erkläre ihm ausführlich, was eine zweizeitige Milzruptur ist. Er entscheidet, dass er noch etwas Bedenkzeit braucht.

Ich werde kurz unterbrochen …

Der OP ruft an, meine Visite wird kurzfristig unterbrochen. Als ich um 15 Uhr aus dem OP komme, um die Visite zu beenden, entlässt sich der junge Mann gegen Unterschrift auf eigene Verantwortung nach Hause. Auf meinem ausgedruckten Bogen steht dick und fett unterstrichen: „lehnt stationäre Überwachung aufgrund potentieller Lebensgefahr ab. Komplikation: Tod.“

Ein Freund holt ihn ab. Seine Eltern darf ich, auf Nachfrage, nicht verständigen. Ich informiere meinen Oberarzt über die Details. Mir ist – selbst nach rechtlicher Absicherung – nicht wohl dabei. Ohne zu zögern, wählt er die angegebene Nummer der Eltern. Er informiert sie nicht gerade sachlich über die „Dummheit“ ihres Sohnes, sodass ich keine Stunde später einen neuen Aufnahmebericht für meinen nun doch einsichtigen Patienten anlegen muss. Oder sollte ich sagen darf?

 

Dieser Beitrag erschient zuerst auf doccheck.com

Bildquelle: flickr.com, by Martin Fisch

 

„Kleider machen Leute“

Kittel

Einige Kollegen lieben es mit wehendem Kittel durch die Flure die Klinik zu fegen. Mir fehlen dafür die Notfälle. Und zu langsam bin ich auch. Mein Kittel bleibt außerdem selten weiß. Stifte laufen aus und wenn ich ihn über den Stuhl hänge, schleift der Saum über den Boden. Ist das hygienisch?

Mein Kittel ist weiß. Naja, meistens. Gestern war die Brusttasche von den eingesteckten Stiften rot und blau. Manchmal ist er am Ende des Tages schwarz am Saum. Denn, wenn ich ihn ausziehe und über die Lehne des rollenden Schreibtischstuhls hänge, fallen die letzten 5 cm auf den Boden. Meistens rolle ich dann noch ein paar Meter zwischen den Schreibtischen hin und her, sodass immer ein Teil des Kittels unter die Rollen kommt.

Übersetzt heißt das: Meistens trage ich ihn nicht. Irgendwie finde ich den Kittel nicht besonders hygienisch. Und wenn es einmal sein muss, dann schiebe ich die Ärmel bis zum Ellenbogen hoch.

Unbequem sind Kittel außerdem

Ein paar Kollegen lieben die Erscheinung, sich selbst mit wehendem weißen Kittel durch die langen Flure rennen zu sehen. Für solche Späße habe ich zu wenig Notfälle und bin außerdem zu langsam.

Außerordentlich bequem ist der Kittel übrigens auch nicht. Meistens spannt er an den Schultern, lässt sich nicht zuknöpfen oder fällt an einem herunter, wie ein Sack. Insgesamt ist die gestellte Krankenhauskleidung nicht angenehm. Mit 90 °C ausgewaschen, hautirritierend gestärkt und mit dicken Hosennähten versehen, entspricht die Dienstkleidung eher der Marke Sträflingskleidung.

Man hüte sich vor Patientenkleidung

Ein Gutes jedoch hat sie. Ich muss sie nicht selbst waschen. Sie kann und darf dreckig werden. Ganz im Gegensatz zu den Kleidern der Patienten.

Da ist mir doch tatsächlich letztes Jahr ein Tropfen Blut auf die Anzugshose eines Patienten getropft. Dieses Jahr erreicht mich dann die Mitteilung unserer Klinikanwälte. Die Klinik habe die Reinigung der Hose bezahlen müssen. In Zukunft solle ich doch bitte darauf achten, die Kleidung der Patienten unversehrt zu lassen. Ansonsten müsse man mir die anfallenden Kosten in Rechnung stellen.

Vielleicht sollte mein Kittel doch eher orange oder schwarz-weiß gestreift sein.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf doccheck.com

Bildquelle: flickr.com, by Ali McCarley

Das „Innere“ Auge

Auge

Die Station ist vollgepackt mit Patienten der Alterstraumatologie. Nicht, dass wir Zentrum der Alterstraumatologie wären. So mit Geriater, Internist, Extra Physio und Extra Ergo. Nein, auf unserer Station sind aktuell einfach nur alle alt und krank.

Zur Zeit wünschte ich mir diese Zertifizierung. Naja, nicht die Zertifizierung an sich, aber unbedingt den Geriater oder den Internisten. Alt und krank ist nämlich so eine spezielle Sache. Hier brennt das unfallchirurgische Herz nicht auf höchster Flamme. Es heizt eher wie eine schwache Glut um 4 Uhr morgens. Bei einigen meiner Kollegen zumindest.

Der ein oder andere reißt also jeden zweiten Tag 25 Pflaster von kleinen Wunden nach operierten pertrochantären Femurfrakturen, medialen Schenkelhalsfrakturen, Humeruskopffrakturen oder Radiusfrakturen. Ein postoperatives Labor wird abgenommen und vielleicht noch ein zweites im Verlauf. Das postoperative Röntgenbild erfolgt im Patientenbett. Und dann werden die alten bis sehr alten Patienten nach spätestens 7 Tagen ins Pflegeheim oder in die Kurzzeitpflege verlegt.

Erledigt. Wunderbare Sache.

Wenn da nur nicht das „innere Auge“ wäre. Ich kenne dieses Auge leider gut. Einige meiner Kollegen und Kolleginnen auch. Das sieht nämlich mehr als Pflaster, Hb und Quick. Das sieht Ödeme, Brustschmerzen, Dyspnoe, Exsikkose, Entzündungswerte, fehlende Ausscheidungen und absurde Elektrolytentgleisungen. Sachen gibt es.

Sachen, die doch sonst nur den Geriater interessieren. Oder den Internisten. Natürlich den ambulant behandelnden Facharzt, wenn es nach den wenigen unfallchirurgischen Kollegen in meinem Team geht, die auf Sparflamme brennen.

Manchmal haben sie, oder vielmehr die Patienten, Glück. Sparflamme ist sogar häufig eine geniale Sache. Die Patienten bleiben gar nicht so lange in unserer Behandlung, bis wir die Pneumonie, die Dekubiti oder die katheterassoziierten Infekte detektieren.

Manchmal eben aber auch nicht. Wenn etwa das perioperative Geschehen und das verordnete Voltaren bei der chronischen Niereninsuffizienz im Verlauf zur akuten Verschlechterung führt, die Elektrolyte entgleisen und die Patienten daran versterben. Oder die Dyspnoe erstes Anzeichen für die fulminante Lungenembolie ist. Oder hinter den Ödemen eine Herzinsuffizienz steckt, die bis zur akuten Entlastung großer Pleuraergüsse, unbehandelt bleibt.

Spätestens dann braucht man einen Anwalt und keinen Geriater mehr. Sachen gibt es.

 

Dieser Artikel erschien auch auf doccheck.com

Bildquelle: flickr.com, by Conal Gallagher

Die Fehler der anderen

Fehler

Oft erzählen mir Kollegen von Fehlern, die andere Ärzte gemacht haben und die sie jetzt ausbaden müssen. Dass sie sich bei mir beschweren, ist zwar manchmal nervig, aber in Ordnung. Dass sie das auch im Beisein betroffener Patienten tun, ist in meinen Augen unkollegial.

„Welches Antibiotikum hat Ihr Hausarzt Ihnen verschrieben? Das ist nicht erste Wahl.“ Der Internist neben mir schüttelt den Kopf. „Wir schließen eine Thrombose aus und nehmen Ihnen Blut ab, um die Entzündungswerte zu kontrollieren. Ich denke, Sie müssen ein paar Tage stationär bei uns bleiben. Dann bekommen Sie das richtige Antibiotikum über die Vene.“

Das ist irgendwie unkollegial.

Der Patient sitzt Schultern zuckend auf der Liege und hat ein großes Fragezeichen im Gesicht. In unserem Aufenthaltsraum in der Notaufnahme fragt mich der Internist: „Clindamycin bei einem Erysipel. Warum denn sowas?“

„Vielleicht hat er eine Penicillinallergie?“

„Der Patient sagt Nein.“

„Aber musst du das so gegenüber dem Patienten äußern? Vielleicht hat sich der Hausarzt ja was dabei gedacht. Der Patient ist jetzt total verunsichert. Wahrscheinlich bereitet er gedanklich schon den Brief an den Rechtsanwalt vor. Das ist irgendwie unkollegial.“

Der Internist zuckt mit den Schultern. „Sei doch nicht immer so politisch korrekt. Ich muss jetzt den Mist ausbaden. Du hast doch gesehen, dass der Kerl i.v. Antibiose braucht.“

Ich seufze. Toll. Unter Ärzten. Echt klasse. Richtig himmlisch gute Voraussetzungen für ein gutes Miteinander.

„Komplikation über Komplikation. Ich rieche es schon.“

Später am Tag kommt der Patient mit der vermutlichen periprothetischen Oberschenkelfraktur aus der Reha angefahren. Der Notarzt, Kollege Oberfeldwebel aus meiner Abteilung, übergibt mir die Daten im Beisein des Patienten. „Herr Maier ist in der Reha gestürzt. Das ist bestimmt eine periprothetische Fraktur. Erst vor 10 Tagen hat er eine Kurzschaftprothese bekommen. Natürlich nicht bei uns. Das war der völlig falsche Prothesentyp für ihn.“

Herr Maier schaut ungläubig von einem Arzt zum Nächsten. Ich schüttle mal wieder den Kopf. „Herr Maier, wir machen jetzt mal ein Röntgenbild. Danach sehen wir weiter.“ Kollege Oberfeldwebel frage ich, was das denn soll.

„Warum sagst du so etwas? Auch noch im Beisein des Patienten?“

„Wenn das eine periprothetische Fraktur ist, weißt du selbst, wie das weiter geht. Jetzt der große operative Eingriff, keine Belastung, langer Krankenhausaufenthalt, Thrombose, Infekt, Ausbau, Komplikation über Komplikation. Ich rieche es schon. Dann möchte ich nicht Schuld sein. Und nebenbei bemerkt, stimmt es. Das war nichts für eine Kurzschaftprothese.“

Ich bin müde. Ich habe keine Lust, zu diskutieren. Ganz toll unter Ärzten, wirklich. Übrigens hatte der Patient mit dem Erysipel tatsächlich eine Thrombose. Allerdings auch eine Penicillinallergie, wie ihm zu später Stunde doch noch einfiel. Und mein Patient hatte einfach gar nichts. Er hatte sich einfach die Hüfte geprellt. Nach dem Fentanyl vom Kollegen Oberfeldwebel konnte er an seinen Unterarmgehstützen zurück in die Reha.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf doccheck.com

Bildquelle: flickr.com, by John Loo

Operation Baby & Beruf

Mutter im Sturm

2018. Wow. So schnell geht das. Da wird man schwanger, bekommt ein Baby und geht in Elternzeit. Und hat erst einmal Pause. Zeit zum atmen, zum leben. Zum Umdenken, zum Weg finden.

Aber plötzlich schrumpft diese Zeit, Woche für Woche. Ich entwickle so etwas Ähnliches wie Langeweile.

Ich habe viel zu tun, das ist es nicht. Aber ich werde plötzlich kreativ, bastel an Ideen, Überlegungen, spinne verrückte Sachen aus. Das ist gut. Mein Gehirn braucht Arbeit. Sonst schrumpft es.

Zum allerersten Mal seit ich Mutter bin, denke ich mit positiven Gefühlen an meinen Beruf. Ich schlage wieder die Bücher auf. Sehe mir operative Zugangswege an oder stelle mir die einzelnen Schritte bei Operationen vor. Die Entscheidung, in eine andere Klinik zu gehen, fühlt sich gut an. Und doch habe ich neben den zwei Ausfertigungen meines neuen Arbeitsvertrags, meinen Laptop aufgeklappt.

Wie geht es beruflich weiter?

Ich studiere die Weiterbildungsordnungen. Für Orthopädie und Unfallchirurgie. Für Rehabilitative Medizin. Für Allgemeinmedizin. Für Gesundheitsmedizin und Arbeitsmedizin. Für … wollte ich nicht einmal Gynäkologie machen?

Trotz der vermutlich besseren Arbeitsbedingungen in der neuen Klinik, fällt es mir schwer, mich als arbeitende Mutter in der Unfallchirurgie zu sehen. Wird es mir leicht fallen, mein Kind in eine Betreuung zu geben? Pünktlich von der Arbeit nach Hause zu gehen? Arbeit liegen zu lassen, weil mich meine Familie braucht und ich sie? Ist eine Vereinbarkeit überhaupt möglich? Wie wird die Aufteilung klappen zwischen meinem Mann und mir? Wie werden mein Mann und das Kind meine Nacht- und Wochenenddienste erleben?

Werde ich als arbeitende Mutter trotzdem in meiner von Männer dominierten Arbeitswelt gefördert werden? Werde ich weiterhin operieren dürfen und in meiner Facharztweiterbildung voran kommen? Werde ich meine Facharztweiterbildung überhaupt auch mit Kind meistern können? Wie viel Zeit brauchen wir als Familie? Wie viel Zeit brauche ich mit meinem Kind und mein Kind mit mir?

Ich bin beides: Unfallchirurgin und Mutter

Vielleicht werde ich ja doch Hausärztin. Sagen nicht alle, ein solches Arbeitsmodell sei besser mit der Familie zu koordinieren als ein Leben in der Unfallchirurgie und Orthopädie?

2018 wird ein Jahr der Entscheidungen. Aber meinem Kopf und meinem Herz ist jetzt schon einiges klar. Ich bin Unfallchirurgin und Mutter. Weder das eine noch das andere kann oder möchte ich ändern. Die zwei Welten in mir werden einen Kompromiss finden müssen.

Wie ist ein Alltag als Ärztin und Mutter organisierbar? Hier habe ich einen Fragebogen für alle Ärztinnen und Mütter entwickelt. Es haben bereits einige Leserinnen den Fragebogen ausgefüllt und ihn mir auf unfallchirurginundmutter[@]googlemail.com zurückgemailt. Freundlicherweise durfte ich auch schon mehrere davon anonym veröffentlichen.

Einer der neuesten Interviewbeiträge findet ihr hier – ausgefüllt von einer Ärztin, Internistin und Mutter von 4 Kindern. Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!

Ich freue mich über zahlreiche weitere Rückmeldungen und Interviews, die ich veröffentlichen darf. Einfach mitmachen!

 

Bildquelle: flickr.com, by CircaSassy

Der Beitrag erschien zuerst auf doccheck.com

Hinter Bettgittern…

Rettung

„Hilfe, Hilfe!“ Es tönt ein Singsang durch den nächtlichen Flur. In Zimmer 3 liegt Gerda aus dem Pflegeheim. „Warum hilft mir denn keiner? Hilfe!“ Die Türe zu ihrem Zimmer ist offen. Genauso wie Türe 4 und 5. Gleiches Spiel, ähnliche Tonart, anderer Rhythmus. Eine weitere Patientin steht mit den geschlossenen Bettgittern vor dem Stationsstützpunkt. Damit die Pflegekraft, die die Tabletten richtet und auch noch für eine weitere Station zuständig ist, einen Blick auf sie werfen kann.

Die Pflegekraft, die für die 30 Patienten heute Nacht zuständig ist, springt von einer Türe zu nächsten. Als sie mich sieht, blickt sie erleichtert. „Bitte, Lieschen, tu was. Der Herr Boll aus Zimmer 4 steigt die ganze Zeit über seine Bettgitter. Ich kann ihn nicht auch noch auf den Flur stellen. Können wir ihn bitte fixieren? Er hat sich mal wieder seine Verweilkanüle gezogen und aus dem Katheter fließt es rot, weil er die ganze Zeit versucht, ihn zu ziehen. Jetzt ist es fast Mitternacht und er hat noch nicht einmal seine Abenddosis Antibiotikum bekommen wegen der Lungenentzündung.“

Die Patientin auf dem Flur schlägt um sich und versucht, über die Bettgitter zu steigen. Aufgrund ihrer dünnen Beine bleibt sie immer wieder in den Bettgittern hängen. Sie versucht mich zu beißen, als ich ihr sage, dass sie sich bitte hinlegen soll. Wenn sie so weiter macht, bricht sie sich noch mehr als ihren Oberschenkel, den wir gestern versorgt haben. Ein Glück hat sie noch eine Verweilkanüle. Tabletten oder einen Saft trinkt sie mir nicht freiwillig.

Als ich zu Herr Boll komme, zeigt sich mir Ähnliches. Nur, dass er schon zwischen den Bettgittern hängt. Er rasselt ziemlich, seine Atmung ist doppelt so schnell wie meine, seine Sauerstoffbrille liegt auf dem Boden und den Katheter hat er sich mittlerweile gezogen.

Während Zimmer 3 und 5 weiter zum Hilfe-Gesang starten, die Patientin auf dem Gang wieder munter wird und Zimmer 7 und 9 sich über den nächtlichen Lärm beschweren, rufe ich auf der Intensivstation an.

Begeisterung. Auf allen Seiten, natürlich nicht durchweg positiv.

Am nächsten Morgen fragt mich der Chefarzt, warum ich ein Intensivbett belegt hätte. Die vielen Kosten für so einen simplen Duokopf. Herr Boll käme heute wieder auf Normalstation. Ich weiß auch nicht. Aber simpel ist anders.

 

Bildquelle: flickr.com, by Tobias Zierof

Dieser Artikel erschien zuerst auf doccheck.com