Der Mann, das starke Geschlecht

Männer-Parkplatz

Liebe Follower,

gestern Nacht hat mich eine Email erreicht, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Sie kommt von Steffen. Er ist ist Vater zweier Kinder und Ehemann einer Unfallchirurgin. Mein Artikel „Ihr Platz im Bus ist hinten – das sind die Plätze für Schwarze.“, hat ihn wohl ziemlich aufgewühlt. Er hat mir auch schon zum Artikel „Liebe Väter in Elternzeit,“, eine sehr berührende Nachricht geschickt. Diese Emails zeigen mir, wie sehr das Thema der Vereinbarkeit, nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer, belastet.

Lieber Steffen, vielen herzlichen Dank für deine Nachricht. Ich freue mich sehr darüber, die Email veröffentlichen zu dürfen. Auch in Zukunft freue mich sehr über deine ehrlichen Kommentare. Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute!

Brief von Steffen: 

Hallo Lieschen,

vielen Dank für deinen Artikel „Ihr Platz im Bus ist hinten, das sind die Plätze für Schwarze.“
Meine Frau ist ebenfalls Assistenzärztin in der Unfallchirurgie und wir haben zwei Kinder im Alter von 4 und 2 Jahren. So verfolgen wir mit großem Interesse deinen Blog. Was mir immer wieder hohen Blutdruck verschafft, sind die Beiträge zum Thema Männer-Frauen-Vereinbarkeit. Den hohen Blutdruck bekomme ich, weil ich diese Situationen absolut nachvollziehen kann und aus dem Leben meiner Frau und aus meinem eigenen Leben zu Genüge kenne. Deshalb folgt nun mein Appell an die Männer:

Männer, warum halten wir uns für das starke Geschlecht?

Ist es nicht stark, eure Söhne und Töchter (auf die ihr ja soooo stolz seid) zu gebären? Ist es nicht stark, nach den körperlichen und seelischen Anstrengungen einer Geburt, den schlaflosen Nächten danach, der Veränderung des eigenen Körpers, auch noch ein zweites, drittes, viertes oder fünftes Kind zu bekommen? „Ich habe echt noch Lust auf ein viertes Kind“ sagt mein Kollege, der unter der Woche 300 km entfernt von seiner Frau und den drei Kindern in einem Hotel wohnt, und sich am Wochenende auf halber Strecke mit seiner Familie bei seinen Schwiegereltern trifft. Ist das stark?

Sind wir so „stark“, dass wir Frauen für die gleiche Position und die gleiche Arbeit weniger Gehalt bezahlen?

Wäre es nicht stark, wenn wir Männer einen Tag frei nehmen, wenn unser Kind krank ist? Wäre es nicht stark, wenn wir nicht nur zwei „Vätermonate“ in den Urlaub fahren, sondern uns mehrere Monate um den oder die Kleine kümmern? Wäre es nicht stark, pünktlich zum Abendessen zu Hause zu sein um die Kinder ins Bett zu bringen? Wäre es nicht stark, in Teilzeit zu arbeiten, damit unsere Frauen wieder Vollzeit einzusteigen? Wäre es nicht stark, wenn wir kochen, waschen, bügeln, putzen, Windeln wechseln, Kinder anziehen und sie betreuen würden? Wäre es nicht stark, wenn arbeitende Frauen keine Rabenmütter und Väter, die zu Hause sind, keine Waschlappen oder Arbeitsverweigerer wären? Wäre es nicht stark, wenn jedes Paar seine Familie so organisieren könnte, wie es für sie möglich ist? Wäre es nicht stark, dies dann einfach zu akzeptieren? Und wäre es nicht stark, wenn das alles als „normal“ empfunden werden würde?

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Männer und Frauen. Biologische Unterschiede. Das ist alles. Aber es gibt kein starkes und kein schwaches Geschlecht. Es gibt kein besseres und kein schlechteres Geschlecht.

Und trotzdem machen wir diesen nicht vorhandenen Unterschied jeden Tag zum Thema und leben unseren Kindern vor, dass es da offensichtlich doch einen Unterschied gibt.

Es ist Zeit, das zu ändern!

Liebe Grüße,

Steffen

 

Bildquelle: flickr.com, by YouWatch

Männer arbeiten… und die Frauen?

Frauen Herd

Das Zitat des Wochenendes kommt von der Tochter einer guten Freundin. Sie ist 3 Jahre alt und ihre Mutter ist aktuell in Elternzeit mit Kind Nummer 2. Ihr Papa muss am Wochenende arbeiten und hat unser gemeinsames Treffen am Wochenende leider verpasst. Als ich sie darauf ansprach, erklärte sie mir:

„Männer arbeiten. Frauen nicht. Sie kochen.“

Ahja…

 

Bildquelle: Pixabay.com, public domain, by ArtsyBee

In meinem Gehirn sind Hormone

Durcheinander

Station. Geriatrische Frührehabilitation. Besprechung mit den Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Geriaterin, Internistin, Gesundheitspflegerin, Stationshilfe, Putzfrau, etc… Einer Patientin geht es nicht gut. Ödeme, Bluthochdruck, Niereninsuffizienz, Hypalbuminämie, Proteinurie. Sie muss von den Kollegen der Inneren Medizin intensiver betreut werden. Wir einigen uns. Ich fasse zusammen. „Programmabbruch. V.a. Gestose.“ Die Internistin klopft sich auf den Oberschenkel und lacht. „Naja, bis auf die Schwangerschaft! Es könnte aber durchaus ein nephrotisches Syndrom sein.“

„Ich bin hormonell durcheinander und nicht urteilsfähig. Ich kann meinen Wahnvorstellungen nicht trauen.“ Meredith Grey (Grey’s Anatomy)

 

Bildquelle: pixabay.com, public domain, by BellaBalla

Ein Date mit Kollege Oberfeldwebel (Anekdote)

Ich fahre mit Kollegin Anästhesistin Blauauge zusammen zur Arbeit. Heute ist sie irgendwie mies gelaunt. „Was ist los?“ „Nichts. Einfach schlecht geschlafen. Kennst du doch von deinen unfallchirurgischen Kollegen. Alle ziemlich launisch, sprunghaft und undurchschaubar, oder nicht?“ „Äh, kann sein. Ich frag nicht mehr nach.“

Allerdings scheint sie Recht zu haben. Die Stimmung ist heute insgesamt etwas komisch.

Kollege Oberfeldwebel verfolgt mich, als sei er als Späher für ein feindliches Lager unterwegs. „Alles ok bei dir?“ „Ja, wieso?“ „Irgendwie tauchst du überall da auf, wo ich mich gerade befinde.“ „Echt? Ist mir nicht aufgefallen. Achso, gehst du heute Mittag Essen?“ „Wahrscheinlich, willst du mit?“ „Gehst du alleine essen?“ „Keine Ahnung. Kollegin Blauauge hat heute, glaube ich, keine Zeit. Ob die anderen Kollegen Zeit haben, weiß ich nicht.“ „Ach, ruf mich einfach an, wenn du gehst.“

Es ist 12.30 Uhr und ich schaffe es tatsächlich in die Mensa. „Kollege Oberfeldwebel, willst nun mit Essen gehen?“ „Gehst du alleine?“ „Naja, mit den 200 anderen Hungrigen eben, die auch in der Schlange stehen.“ „Ja, ich komme mit.“ Auf dem Weg in die Mensa treffe ich Kollegin Frischling, Blauauge und Kollege Mc Sexy. Als uns Oberfeldwebel in der Schlange stehen sieht, dreht er um und murmelt etwas von einem Anruf. Komischer Kauz heute.

Um 16 Uhr warten wir auf unseren Oberarzt zur Besprechung. Kollege Oberfeldwebel tritt von einem Fuß auf den anderen. „Lieschen, dein Mann ist doch auch Arzt, oder? Wie klappt das denn, so zwei Mediziner als Paar? Und jetzt bald das Baby? Das ist doch eine ganz schön anstrengende Nummer. Belastet das nicht?“ „Äh, bitte, was? Nein, mein Mann ist kein Arzt. Und was war die andere Frage?“ „Achso, ich dachte nur. Wie geht’s denn deiner Freundin Blauauge? Ich habe es ja heute nicht geschafft, mit euch Essen zu gehen.“ “ Gut, denke ich. Keine Ahnung.“ Ich bin irritiert.

Die Besprechung ist zu Ende und ich gehe mich im Bereitschaftszimmer umziehen. Vor der Tür wartet mal wieder der Oberfeldwebel. „Geh dich ruhig umziehen. Ich warte so lange hier draußen.“ „Sonst hast du doch auch kein Problem damit, wenn wir Kolleginnen und Kollegen uns in einem Raum umziehen. Keine Angst, der dicke Bauch ist nicht ansteckend.“ Er läuft rot an. „Nein, ist schon ok. Ich warte.“ Noch mehr Irritation.

Wie jeden Tag warte ich im Anschluss auf Blauauge, um zusammen nach Hause zu fahren. Neben mir steht Oberfeldwebel, etwas bleich im Gesicht. Er reibt sich ständig die Hände und schwitzt. „Könntest du mir bitte sagen, warum du so nervös bist und hier noch rum stehst? Kann ich dir irgendwie helfen?“ „Naja, nochmal wegen vorher. Meinst du, dass es zwischen zwei Medizinern klappen könnte?“ „Eine Beziehung? Klar, klappt doch bei vielen. Wieso nicht?“ Wir werden von Blauauge unterbrochen. „Hallo Lieschen, können wir fahren?“ „Klar. Bis morgen, Oberfeldwebel.“ Oberfeldwebel macht einen abrupten Schritt nach vorne, spricht zwar mit mir, schaut aber die ganze Zeit nur Blauauge an. „Lieschen, könntest du alleine nach Hause fahren? Dann könnte ich mich für mein blödes, kindisches, idiotisches Verhalten gestern Abend bei Kollegin Blauauge entschuldigen und sie dafür auf ein gemeinsames, selbst gekochtes, leckeres Abendessen einladen. Ich bringe sie dann auch wie ein Gentlemen nach Hause.“ Ich schaue von rechts nach links und lache mich fast kaputt. Ich ziehe die Augenbrauen nach oben und blinzle zu Blauauge, die die Arme vor der Brust verschränkt hält. „Gibt es auch was zu trinken?“

Meine Antennen für Zwischenmenschliches sind aber auch wirklich nicht die Besten.