Say „yes“, say „no“

Nein-Sagen

Bei twitter gab es vor einiger Zeit eine Diskussion ums „Ja-Sagen“.

Eine Gruppe Medizinerinnen aus den USA und Großbritannien propagierte, dass Frauen und Ärztinnen mehr „Ja“ zu allem sagen müssen, um erfolgreicher zu sein.

Das „Ja“ zu mehr Arbeit und Konferenzen, das „Ja“ zu Anfragen und Bitten, sei der Schlüssel zum Erfolg.

Ich bin mir da nicht so sicher und mir sind einige Beiträge zum Thema eingefallen, die ich bereits auf diesem Blog veröffentlichte.

Der eine handelt von mehr „Ich“ in unserem Leben und beschreibt, warum Frauen mehr „Nein“ zu anderen und mehr „Ja“ zu sich selbst sagen sollen. Der andere Artikel handelt von einem Jahrgangstreffen, Mittelfingern und der Menschlichkeit.

Lest rein und schreibt mir von eurer Meinung!

Braucht ihr mehr „Ja“ oder mehr „Nein“ in eurem Leben? Und warum?

Eure

Unterschrift Lieschen Müller

Bildquelle: flickr.com, by Versus Grau

Alternativen zur Akutmedizin

Alternative Wege

Im heutigen Beitrag darf ich euch zwei Ärztinnen vorstellen, die alternative Wege zur Akutmedizin gehen.

Eine Allgemeinmedizinerin und Mutter eines Sohnes erzählt in ihrem Interview von ihrem Plan der Mutterschaft. Sie sieht die Allgemeinmedizin als einzige Option, ein Familienleben zu haben.

Eine Ärztin in Weiterbildung arbeitet Teilzeit in einer geriatrischen Klinik, um Vereinbarkeit aktiv leben zu können. Vor allem die Unplanbarkeit in der Akutmedizin sieht sie als Hauptproblem für ein fehlerfreies Arbeiten. In ihrem Interview beschreibt sie ihren Tagesablauf und rät, sich bei der Arbeitssuche nach Abteilungen um zusehen, die bereits ein festes Modell für Teilzeitarbeit bieten können.

Vielen Dank für die Interviews!

Möchtet ihr auch Teil des Blogs werden? Dann schreibt mir auf unfallchirurginundmutter[@]googlemail.com und beantwortet die Interviewfragen. Ich freue mich auf eure Interviews!

Bildquelle: flickr.com, by Merja Shaw

Weiterbildungs-K.O.

Knockout der Weiterbildung

Ein Kind als Knockout der Weiterbildung? Die Interviews zweier Ärztinnen, machten mich betroffen und wütend.

Eine Radiologin in leitender Funktion und Mutter eines Kindes beschreibt in ihrem Interview die fehlende Unterstützung für Eltern, v.a. von Müttern, innerhalb der Ärzteschaft. Nicht nur Mobbing und Diskriminierung spricht sie an. Nein, auch der fehlende Zusammenhalt unter Ärztinnen, ist ein großes Problem.

In ihrem Interview wird deutlich, dass sie einige immense Hürden in ihrer Weiterbildung überwinden musste, um heute dort zu stehen, wo sie ist. Die Rückkehr nach ihrer Elternzeit beschreibt sie als katastrophal. Nur durch einen Stellenwechsel und ihren gnadenlose Willen, sich nicht alles gefallen zu lassen, ist sie heute in einer leitenden Funktion. Vielen Dank für dein Interview!

Auch das Interview einer Internistin und Mutter von zwei Kindern erzählt von der fehlenden Unterstützung innerhalb der Ärzteschaft. Anstatt sich zu solidarisieren, sei fehlende Wertschätzung an der Tagesordnung. Vor allem die fehlende Bereitschaft der Kliniken für realistische Teilzeitarbeit, und nicht nur vertraglich festgeschriebene Teilzeitarbeit, sehe sie als Hauptproblem.

Die Interviews sind Beispiele für die gnadenlose Medizinerwelt und das hohe Potential, Ärztinnen in den „Knockout“ zu treiben.

Frustration, Depression, Abhängigkeit, Substanzmissbrauch und Krankheit sind die Folgen. Zu drastisch? Vielleicht reicht den Arbeitgeber*innen auch das verschwenderisch hohe produktive Potential, das hier zu unrecht verschlissen wird, um bald etwas zu ändern? Ich hoffe es sehr und stelle jeden Tag fest, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen!

Ich bedanke mich ganz herzlich für die offenen Worte und wünsche allen beiden Ärztinnen viel Erfolg auf ihrem Weg!

Ihr habt Ähnliches erlebt? Oder ihr könnt diese Eindrücke nicht bestätigen? Vielleicht erlebt ihr es sogar, dass ihr als Ärztinnen und Mütter eine besondere Wertschätzung erfahrt?

Schreibt mir auf unfallchirurginundmutter[@]googlemail.com, beantwortet die Interviewfragen und zeigt anderen Ärztinnen, wie #Vereinbarkeit möglich ist.

Bildquelle: flickr.com, by Daniel Novta

Diskolärm im Krankenhaus

Man stelle sich vor, man läge krank im Bett, während neben einem LKWs vorbeifahren und Motorsägen lärmen. Schlimme Vorstellung? Klar. Aber: Der Geräuschpegel in Krankenhäusern ist von diesem Szenario gar nicht so weit entfernt. Über 100 dB werden mitunter auf Intensivstationen gemessen.

Die Geräuschkulisse im Krankenhaus ist beeindruckend. Insbesondere auf der Intensivstation, auf der ja eigentlich die stark erholungsbedürftigen Patienten liegen. Einer englischen Untersuchung zufolge werden hier Geräuschpegel von über 100 dB gemessen. Das entspricht lauter Musik, die man über Kopfhörer hört. Oder einem vorbeifahrenden LKW oder eine Motorsäge. Laut einem Artikel aus der SZ treten bei Dauerlärm dieser Art sogar Gehörschaden auf. Steigt die Lautstärke auf über 100 dB, entspricht das sogar dem Lärm von Kettensägen, Presslufthämmern und Diskotheken.

Und auch in deutschen Krankenhäusern ist es laut. Schon im Aufzug zur Intensivstation erhebe ich meine Stimme: „Legen Sie sich hin. Sie fallen uns sonst noch aus dem Bett.“ Ich betrete mit einer Notaufnahmeschwester die Intensivstation. Wir haben Mühe, den 83-jährigen betrunkenen Herrn mit der kleinen intrazerebralen Blutung zu beruhigen. Zweimal ist er bereits aus dem Bett gestiegen. Einmal hat er sich zwischen den Bettgittern eingeklemmt. Es ist 23 Uhr.

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Du bist wertvoll!

wert.

Heute darf ich euch zwei Ärztinnen vorstellen, die euch Mut machen sollen.

@Dr. Blub ist Allgemeinmedizinerin und Mutter von zwei Kindern. @Traveleve ist Anästhesistin und Mutter eines Kindes.

Auf twitter schreiben sie sich ihren Alltagsfrust von der Seele und teilen wichtige und interessante Informationen.

Travelve rät in ihrem Interview dazu, zu machen was man möchte. Trotz dem zu erwartenden Widerstand, sollte man an sich glauben und seine Vorstellungen umsetzen.

Dr. Blub rät dazu, sich nicht unterkriegen, sich und seinen Wert nicht kleinreden zu lassen und einzufordern, was einem zusteht.

Ihre Erfahrungen sind geprägt von Rückschlägen und Hindernissen. Aber sie machen Mut und geben Kraft. Vielen Dank für eure Interviews!

Möchtet ihr auch Teil des Blogs werden?

Teilt eure Erfahrungen und schickt mir eure ganz persönlichen Interviews auf unfallchirurginundmutter[@]googlemail.com zu. Ich freue mich darauf!

Bildquelle: flickr.com, by Damian Gadal

Tausche Panzer gegen Umhang

Früher habe ich einen Panzer angelegt, bevor ich zum Nachtdienst in die Klinik ging. Nachts sind die Patienten aggressiver, man muss sich wappnen. Und trotzdem kann ich den Patienten heutzutage empathischer begegnen. Mutter zu sein hat mich etwas weicher gemacht.

Der kleine warme Rücken kuschelt sich an meinen Bauch. Der gemeinsame Mittagsschlaf am Wochenende ist ein schönes Ritual für das Kind und mich. Ich genieße diese zwei Stunden, der Schlaf ist tief und fest. Meist weckt mich das strampelnde Kind, indem eine Hand auf meiner Nase oder ein Fuß in meinem Unterbauch landet. Weniger Genuss, mehr Schmerz. Aber das lächelnde Kindergesicht tröstet mich sofort.

Der Schlaf ist wichtig für mich. Denn auch an diesem Wochenende werde ich nachts wieder arbeiten müssen. Ohne den Mittagsschlaf schaffe ich es nicht. Das Kind übrigens auch nicht, ein Glück.

Pöbelnde Alkoholiker und beißende Demente

Die Nachtdienste in den Krankenhäusern sind schon längst keine Bereitschaftsdienste mehr. Das Patientenaufkommen ist zu hoch. Aber eine Konsequenz wird bisher nicht gewünscht. Die Umstellung auf ein Schichtsystem möchte keiner. Also geben wir uns mit wenig Schlaf zufrieden.

Wenn ich abends das Haus verlasse, lege ich meinen Mutter-Umhang nicht ab. Ich ziehe ihn vielleicht etwas fester um mich. Die Arbeit in meinem Fachbereich erfordert Konzentration, Genauigkeit und Distanz. Neutralität, die Reduktion auf Fakten und Notwendigkeiten ist wichtig. 

Nachts treffe ich auf pöbelnde Alkoholiker, aggressive Boxer, ungeduldige Angehörige und kratzende, beißende Demente. Die Nervenenden sind angespannt, die müden Patienten verlieren oft ihre Hemmungen. Passive und aktive Aggressionen sind im täglichen Umgang Normalität geworden.

Die Distanz, die Geduld, das selbstsichere, schnelle und ruhige Auftreten sind unumgängliche Qualitäten, die man hier als Ärztin braucht. Eine etwas dickere Haut schadet nicht.

Es ist nicht mehr alles schwarz-weiß

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