„Ich WILL aber nicht!“

Trotzphase

Die 1-jährige liegt strampelnd auf dem Boden vor mir: „ICH WILL NICHT!“ Sie tritt und schreit und weint. Die Trotzphase sagt „HALLO“. Ich zucke mit den Achseln und lasse sie brüllen. Als das Schlimmste vorbei ist, hole ich ihr Kuscheltier und lenke sie ab. Eine lange Umarmung tröstet sie etwas.

Irgendwie bin ich neidisch. Einfach mal alles raus brüllen? Die ganze Anspannung, die runter geschluckten Kommentare, die einem auf der Zunge liegen, die nicht ausgesprochenen „NEIN“s des Alltags? Herrlich muss das sein!

Eine der größten Herausforderungen für mich sind kranke Patienten, die krank sein wollen. Oder auch Patienten, die gesund sind, aber krank sein wollen. Die gerne leiden, weil der sekundäre Krankheitsgewinn gut tut – Umarmungen, Kümmern, Aufmerksamkeit. Sie lamentieren und jammern und nerven. Am liebsten würde ich flüchten und sagen: „Nein, ich mag Ihnen nicht mehr zuhören.“

Auch im Kollegen- und Freundeskreis geht es weiter. Eigentlich würden sie doch sooo gerne in einer anderen Abteilung arbeiten, aber aktuell geht das eben nicht. Sowieso würden sie gerne überhaupt wieder arbeiten, aber wegen der Kinder geht es nicht, oder wegen dem Ehemann, oder wegen was-auch-immer. Eigentlich würden sie lieber zu Hause bleiben, als zu arbeiten, aber es geht ja nicht, weil…  Sowieso ist alles total anstrengend und das Leben so hart. Die Endlosschleife der Jammeritis ist für mich unerträglich. Noch unerträglicher als der Trotzanfall. Deshalb kommt es hier tatsächlich hin und wieder zum Fluchtreflex oder zum entsprechenden: „Ändere das, was dich stört, aber höre auf, mich damit zuzumüllen.“

Vielleicht schlage ich ihnen das nächste Mal einen kleinen bis größeren Trotzanfall vor. Alles rausbrüllen? Und dann ist wieder gut? Leider befürchte ich, dass das bei diesen Menschen nicht funktionieren wird.

Auf dem Blog „StrebensWert“ gibt es einen hervorragenden Artikel zum Thema „Muss ich heute schon wieder tun, das ich will?“.

Christopher Dedner versteht es, dieses Verhalten zu durchleuchten und fasst es unglaublich gut zusammen. Hier geht es um Verantwortung. Verantwortung für sich und sein Verhalten zu übernehmen. Sich die richtigen Fragen zu stellen und entsprechend zu handeln. Er schließt mit einer praktischen Anleitung zum Selbsttest ab. Probiert es einfach mal aus. Oder besser noch – schickt den Link doch an die Jammernden!

 

Bildquelle: flickr.com, by Tredok

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