Zurück in den Sattel

Pferd

Bald geht es zurück in den Sattel. Ich werde die anstrengenden, entspannten, freudigen, müden und glücklichen Tage in Elternzeit hinter mir lassen und wieder zur Arbeit im Krankenhaus übergehen.

Bis vor kurzem bestimmte eine innere Unruhe, zuweilen Aufregung und Angst dieses Thema. Wird mein Leben noch anstrengender und müder? Oder freudiger und glücklicher?

Mittlerweile wird meine Stimmung von reiner Vorfreude bestimmt. Die Eingewöhnung in der Kita ist in vollem Gange, mein Kind fühlt sich wohl. Mein Geist und mein Gehirn sind chronisch unterfordert. Ich habe eine Reihe für mich sehr untypischen Tätigkeiten begonnen um der geistigen Langeweile zu entgehen. Kreativität entsteht nur aus Langeweile. Das ist eine schöne Sache. Allerdings verdiene ich damit kein Geld.

Die zahlreichen Mamas starren mich jetzt sicherlich unglaubwürdig an. Es gibt so viel zu tun. Damit haben sie Recht. Es gibt immer etwas zu tun. Aber nichts davon grenzt an mein empfundenes Gefühl der Freiheit, endlich wieder arbeiten gehen zu dürfen.

Es verschafft mir Unabhängigkeit, Selbstwert, Selbstvertrauen und Geld. Mein Gehirn muss denken, überlegen, sich schnell auf Neues einstellen. Meine Beine müssen endlich wieder über die Flure gehen. Meine Hände müssen endlich wieder eine Schulter reponieren, ein Skalpell in der Hand halten oder einen Hammer.

In der Unfallchirurgie ist das Arbeiten von kurzen Erfolgen geprägt. Die Wunde ist vernäht, die Oberschenkelfraktur versorgt und die Prothese implantiert. Fertig. Das macht zufrieden.

Ich machen mir keine Illusion. Das Pferd wird mich immer und wieder abwerfen. Aber mittlerweile falle ich weich. Denn zu Hause wartet meist ein kleines Persönchen, das geknuddelt werden möchte.

 

Bildquelle: flickr.com, by Andrea & Stefan

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