Wir sind die Generation Y

Ich lese einen Artikel über die Generation Y. Mehr Freizeit, Selbstverwirklichung, Zeit für Familie und Freunde und solche Sachen. Dann lese ich auch noch einen Artikel über Frauen in der Vereinbarkeitsfalle. Wir Frauen wollen anscheinend gute Mütter sein, in Vollzeit arbeitend, stark und selbstbewusst, die besten Freundinnen und wundervollsten Liebehaberinnen, spontan, jung sein und sowieso perfekt. Irgendwie passt das alles nicht zusammen.

Meine Freundin ist Neurologin. Sie hat zwei Kinder und arbeitet als Fachärztin in einer Uniklinik, in Vollzeit. Keine Omas, die helfen, die Kinder sind anscheinend nie krank. Sie schickt selbst gebastelte Weihnachtskarten, macht tierisch leckere Kuchen und kocht 5-Gänge-Abendmenüs, wenn wir zu Besuch sind. Sie ist schlank und schön. Ich sehe kein einziges Fältchen. Sie hat ihre beiden Schwangerschaften bis zum 7. Monat verheimlicht. Weiter in Vollzeit gearbeitet, auch noch im Mutterschutz. 8 Wochen nach der Geburt war sie bei Kind Nr. 1, 5 Monate nach Kind Nr. 2, wieder arbeiten. Den Anschluss nicht verlieren, auf Karriere nicht verzichten. Ihr Mann arbeitet als Allgemeinchirurg in der Uniklinik, mittlerweile ist er Oberarzt, natürlich in Vollzeit.

Ich bin schwanger und in der Facharztweiterbildung zur Unfallchirurgin. Mir ist schlecht und schwindelig, ich bin müde und heute habe ich auch noch Schnupfen und Kopfweh. Aber ich gehe zur Arbeit. Wie jeden lieben langen Tag. Kranke Ärzte gibt es nicht.

Diese Woche habe ich Glück. Eine 54-Stunden-Woche. Das ist doch machbar, oder nicht?

7 Antworten auf „Wir sind die Generation Y“

  1. „Es gibt viele Fotos von Bergsteigern auf Gipfeln. Sie lachen darauf, sind ekstatisch, blicken triumphierend. Auf dem Weg nach oben werden keine Fotos gemacht. Wer will sich schon an den harten Weg erinnern. Wir treiben uns an, weil wir es müssen, nicht weil es uns gefällt.Der erbarmungslose Aufstieg. Man quält sich und es tut weh über sich hinaus zu wachsen. Nein, davon macht Niemand Fotos. Daran will sich niemand erinnern. Wir wollen uns nur an die Aussicht vom Gipfel erinnnern, an den atemberaubenden Moment, als man ganz oben stand. Deswegen treiben wir uns so an. Und die Mühe lohnt sich – das ist das Verrückte daran. Dafür nehmen wir alles in Kauf.“ Zitat aus Grey’s Anatomy… Vielleicht sieht so meine Freundin die Welt…

  2. Solche Frauen – wie deine Freundin – sind mir immer ein bisschen unheimlich. Letzlich wissen wir nicht, welchen Preis sie dafür bezahlen muss, denn ein perfektes Leben gibt es nicht. Auch nicht mit der Fähigkeit, abends nach der Arbeit schnell noch ein schmackhaftes 5 Gänge Menü zu zaubern.
    Eine 54 Stunden Woche ist machbar aber nicht wirklich erstrebenswert.
    Wenn ich (mit drei Kindern, Mann, Katzem, Haushalt und Nebenjob) eines weiß danndas: Vergleiche tun nicht gut. Aber das wirst du bestimmt auch wissen. Du steckst in deinen Schuhen (würgend und schniefend) – jemand anderes in High Heels. Na und? Vielelicht schmerzt der Hallux höllisch dabei – wird aber tapfer weggelächelt.
    Bleib tapfer. Gute Besserung. 🙂

  3. Vielen Dank! ich bin dir sehr dankbar, wenn du das Interview auf meiner Webseite ausfüllst und mir auf unfallchirurginundmutter@googlemail.com zurück schickst. Oder einfach auch nur als Kommentar. Jede Frau in dieser Position, Ärztin und schwanger, ist glücklich, einige Beispiele zu lesen, wie unsere „Vereinbarkeit“ gelebt werden kann. Vielen Dank und liebe Grüße an die kleine Große.

  4. Liebes Lieschen!
    Auch ich bin Neurologin, war Oberärztin an einer Nicht-Uniklinik, als ich schwanger wurde, und nein, das ist nicht normal, was deine Freundin da durchzieht. Die Kollegen reden heute noch davon, wie lange mir übel war in der Schwangerschaft, wie schlecht es mir ging und überhaupt…. Und es sind die Ex-Kollegen, denn ich habe lernen müssen, dass man sehr wohl als Ärztin und Mutter in Vollzeit berufstätig sein – aber nicht in jedem Job. Das soll dich bitte nicht entmutigen, die Facharzt-Ausbildung auch mit Kind durchzuziehen, aber ich konnte das nicht unter allen Umständen weiter machen. Mein Sonnenschein ist jetzt 6 und putzmunter und hat den großzügigen Einstz von Vomex und Omep prima überstanden!
    Alles Gute Euch beiden!

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