Ruhe- und Wachstumsphase

Ruhe- und Wachstumsphase
Bildquelle: flickr.com, by Allie_Caulfield

Achterbahnfahrt und Ruhephasen

Es ist Mitte September, der Sommer geht zu Ende und wir genießen die letzten warmen Sonnenstrahlen, bevor es in den hoffentlich schönen Herbst geht.

Dieses Jahr ist eine Achterbahnfahrt meines Lebens. Alles geht zu schnell. Bevor ich merke, dass es bergab geht, schieße ich schon wieder den Louping hinauf und alles steht Kopf.

Für eine Ruhephase war bisher keine Zeit. Gefangen im Strudel meiner tausend Ideen und Vorhaben, verliere ich langsam aber sicher den Boden unter meinen Füßen. Dabei brauche ich den doch so sehr. Wenn ich das nasse Gras, die dreckige, sandige Erde und das weiche Moos nicht mehr spüren kann, fühle ich mich nicht mehr. Meine Wurzeln hängen in der Luft und meine Seele wackelt. Kein Wunder. Die letzte Zeit war unglaublich.

Beginnen und Wachsen

Aus dem kleinen Projekt meines Blogs unfallchirurginundmutter.de, das ich im Januar 2017 mit meinem ersten Blogpost begann, wurde nach noch nicht einmal zwei Jahren, soviel mehr, als ich mir jemals vorstellen konnte.

Bisher haben sich mehr als 30 Ärztinnen bei meinen Interviews mit Ärztinnen und Müttern beteiligt. Offen und ehrlich, schonungslos, hoffnungslos, ermüdet und ermutigend schildern sie ihren Weg durch unseren Dschungel der Arbeitswelt mit Kind und Kegel. Unheimlich dankbar bin ich für diese Vielzahl an Frauen, die so tolle Beispiele und Vorbilder sind. Ihr seid wunderbar!

Neben meinem Blog hier, darf ich mittlerweile als Autorin bei DocCheck.com bloggen und lerne auf twitter jeden Tag mehr Menschen kennen, die mich faszinieren und beeindrucken.

Auf twitter traf ich auch auf Menschen, die ähnliche Ansichten über das Gesundheitswesen teilen wie ich und konnte mit dem Team des #Twankenhaus4Change zusammen, ein Positionspapier zum Thema #Vereinbarkeit erstellen. Eine intensive, arbeitsreiche Phase mit einem tollen Ergebnis.

Mit meinem Blog Teil zu werden, einen öffentlichen Diskurs anzustoßen und einige wichtige Themen im Gesundheitswesen zu thematisieren, ist so viel mehr, als ich jemals erträumte.

Jahresende: Wachstumsphase

Die letzten Wochen und Monate diesen Jahres, werde ich damit verbringen, aus dem kleinen Pflänzchen, einen großen Baum wachsen zu lassen.

Seit einiger Zeit verbringe ich meine freien Stunden damit, ein Buch zu schreiben. Ein Verlag ist gefunden, die Reise als Autorin hat begonnen. Ich bin gespannt, aufgeregt, angespannt, müde, entschlossen und unsicher zugleich. Dieser Schritt in ein fremdes Terrain ist eine Reise ins Ungewisse und ich möchte euch gerne daran Teil haben lassen. Hin und wieder hinterlasse ich kleine Beiträge auf instagram und freue mich auf eure Kommentare.

Wenn alles gut läuft, darf ich euch im Frühjahr nächsten Jahres mein Buch präsentieren.

Ich freue mich schon sehr darauf.

Habt Geduld mit mir, schickt mir Zeit, Muße, einen Kaffee und die Lockerheit, auch mit Schreibblockaden umzugehen.

Bis dahin

Eure

Unterschrift Lieschen Müller

Diagnose durch die Hose

Hose

Da ist er. Der Patient mit der angekündigten Oberarmkopffraktur. Die Kollegin aus dem Tagdienst hat für die Übergabe alles perfekt vorbereitet. Als seine Röntgenbilder bei mir eintreffen, stehe ich allerdings mehr als verwirrt da.

Da ist er. Der Patient mit der angekündigten Oberarmkopffraktur. Die Kollegin aus dem Tagdienst übergibt ihn mir mündlich.

„Ich habe bereits einen Brief angelegt, ihn zum Röntgen angemeldet und der Pflege gesagt, sie solle ein Schmerzmittel verabreichen. Die Aufklärung liegt ausgedruckt auf seinen Papieren. Ist also alles fast fertig. Ciao! Guten Dienst dir.“
Ich bin begeistert. Alles ist vorbereitet, der Dienst beginnt entspannt.

Als ich das Röntgenbild sehe, bin ich allerdings etwas verwirrt. Es gibt ein Röntgenbild des Schulterblatts, der Clavikula, des Oberarms, des Ellenbogens, des Unterarms mit Handgelenk und eines des Thorax. Für eine Oberarmkopffraktur sind das irgendwie ganz schön viele Aufnahmen.

Vielleicht erklärt sich die Vielfalt der Röntgenbilder dadurch, dass man bei allen Aufnahmen einen ausgeprägten Weichteilschatten und ein verknittertes Etwas ausmachen kann. 

Denn das liegt an der Jacke. Die der Patient noch an hat. 

Bei einer „Diagnose durch die Hose“ ist exakte Lokalisation verständlicherweise etwas schwieriger. 

Bildquelle: Myriams Fotos, pixabay

Dieser Artikel erschien zuerst auf doccheck.com

Say „yes“, say „no“

Nein-Sagen

Bei twitter gab es vor einiger Zeit eine Diskussion ums „Ja-Sagen“.

Eine Gruppe Medizinerinnen aus den USA und Großbritannien propagierte, dass Frauen und Ärztinnen mehr „Ja“ zu allem sagen müssen, um erfolgreicher zu sein.

Das „Ja“ zu mehr Arbeit und Konferenzen, das „Ja“ zu Anfragen und Bitten, sei der Schlüssel zum Erfolg.

Ich bin mir da nicht so sicher und mir sind einige Beiträge zum Thema eingefallen, die ich bereits auf diesem Blog veröffentlichte.

Der eine handelt von mehr „Ich“ in unserem Leben und beschreibt, warum Frauen mehr „Nein“ zu anderen und mehr „Ja“ zu sich selbst sagen sollen. Der andere Artikel handelt von einem Jahrgangstreffen, Mittelfingern und der Menschlichkeit.

Lest rein und schreibt mir von eurer Meinung!

Braucht ihr mehr „Ja“ oder mehr „Nein“ in eurem Leben? Und warum?

Eure

Unterschrift Lieschen Müller

Bildquelle: flickr.com, by Versus Grau

Alternativen zur Akutmedizin

Alternative Wege

Im heutigen Beitrag darf ich euch zwei Ärztinnen vorstellen, die alternative Wege zur Akutmedizin gehen.

Eine Allgemeinmedizinerin und Mutter eines Sohnes erzählt in ihrem Interview von ihrem Plan der Mutterschaft. Sie sieht die Allgemeinmedizin als einzige Option, ein Familienleben zu haben.

Eine Ärztin in Weiterbildung arbeitet Teilzeit in einer geriatrischen Klinik, um Vereinbarkeit aktiv leben zu können. Vor allem die Unplanbarkeit in der Akutmedizin sieht sie als Hauptproblem für ein fehlerfreies Arbeiten. In ihrem Interview beschreibt sie ihren Tagesablauf und rät, sich bei der Arbeitssuche nach Abteilungen um zusehen, die bereits ein festes Modell für Teilzeitarbeit bieten können.

Vielen Dank für die Interviews!

Möchtet ihr auch Teil des Blogs werden? Dann schreibt mir auf unfallchirurginundmutter[@]googlemail.com und beantwortet die Interviewfragen. Ich freue mich auf eure Interviews!

Bildquelle: flickr.com, by Merja Shaw

Weiterbildungs-K.O.

Knockout der Weiterbildung

Ein Kind als Knockout der Weiterbildung? Die Interviews zweier Ärztinnen, machten mich betroffen und wütend.

Eine Radiologin in leitender Funktion und Mutter eines Kindes beschreibt in ihrem Interview die fehlende Unterstützung für Eltern, v.a. von Müttern, innerhalb der Ärzteschaft. Nicht nur Mobbing und Diskriminierung spricht sie an. Nein, auch der fehlende Zusammenhalt unter Ärztinnen, ist ein großes Problem.

In ihrem Interview wird deutlich, dass sie einige immense Hürden in ihrer Weiterbildung überwinden musste, um heute dort zu stehen, wo sie ist. Die Rückkehr nach ihrer Elternzeit beschreibt sie als katastrophal. Nur durch einen Stellenwechsel und ihren gnadenlose Willen, sich nicht alles gefallen zu lassen, ist sie heute in einer leitenden Funktion. Vielen Dank für dein Interview!

Auch das Interview einer Internistin und Mutter von zwei Kindern erzählt von der fehlenden Unterstützung innerhalb der Ärzteschaft. Anstatt sich zu solidarisieren, sei fehlende Wertschätzung an der Tagesordnung. Vor allem die fehlende Bereitschaft der Kliniken für realistische Teilzeitarbeit, und nicht nur vertraglich festgeschriebene Teilzeitarbeit, sehe sie als Hauptproblem.

Die Interviews sind Beispiele für die gnadenlose Medizinerwelt und das hohe Potential, Ärztinnen in den „Knockout“ zu treiben.

Frustration, Depression, Abhängigkeit, Substanzmissbrauch und Krankheit sind die Folgen. Zu drastisch? Vielleicht reicht den Arbeitgeber*innen auch das verschwenderisch hohe produktive Potential, das hier zu unrecht verschlissen wird, um bald etwas zu ändern? Ich hoffe es sehr und stelle jeden Tag fest, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen!

Ich bedanke mich ganz herzlich für die offenen Worte und wünsche allen beiden Ärztinnen viel Erfolg auf ihrem Weg!

Ihr habt Ähnliches erlebt? Oder ihr könnt diese Eindrücke nicht bestätigen? Vielleicht erlebt ihr es sogar, dass ihr als Ärztinnen und Mütter eine besondere Wertschätzung erfahrt?

Schreibt mir auf unfallchirurginundmutter[@]googlemail.com, beantwortet die Interviewfragen und zeigt anderen Ärztinnen, wie #Vereinbarkeit möglich ist.

Bildquelle: flickr.com, by Daniel Novta

Diskolärm im Krankenhaus

Man stelle sich vor, man läge krank im Bett, während neben einem LKWs vorbeifahren und Motorsägen lärmen. Schlimme Vorstellung? Klar. Aber: Der Geräuschpegel in Krankenhäusern ist von diesem Szenario gar nicht so weit entfernt. Über 100 dB werden mitunter auf Intensivstationen gemessen.

Die Geräuschkulisse im Krankenhaus ist beeindruckend. Insbesondere auf der Intensivstation, auf der ja eigentlich die stark erholungsbedürftigen Patienten liegen. Einer englischen Untersuchung zufolge werden hier Geräuschpegel von über 100 dB gemessen. Das entspricht lauter Musik, die man über Kopfhörer hört. Oder einem vorbeifahrenden LKW oder eine Motorsäge. Laut einem Artikel aus der SZ treten bei Dauerlärm dieser Art sogar Gehörschaden auf. Steigt die Lautstärke auf über 100 dB, entspricht das sogar dem Lärm von Kettensägen, Presslufthämmern und Diskotheken.

Und auch in deutschen Krankenhäusern ist es laut. Schon im Aufzug zur Intensivstation erhebe ich meine Stimme: „Legen Sie sich hin. Sie fallen uns sonst noch aus dem Bett.“ Ich betrete mit einer Notaufnahmeschwester die Intensivstation. Wir haben Mühe, den 83-jährigen betrunkenen Herrn mit der kleinen intrazerebralen Blutung zu beruhigen. Zweimal ist er bereits aus dem Bett gestiegen. Einmal hat er sich zwischen den Bettgittern eingeklemmt. Es ist 23 Uhr.

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