Ich möchte keine Heldin sein

Babyotter

Unsere Arbeit ist wichtig. Unsere Arbeit ist schön, schrecklich, wunderlich, traurig, macht glücklich oder krank. In unserer Arbeit erbringen wir manchmal außergewöhnliche Leistungen. Das ist großartig. 

Dafür sollte man sich bedanken.

Aber wir sind keine Helden.

Wir lernen, studieren, arbeiten, üben und praktizieren bis wir es besser können. Wie in jedem Beruf. Die Tragweite mag für manche Menschen eine andere sein. Für viele ist jedoch der perfekte Hausbau wichtiger als das gesunde Knie. Alles Ansichtssache.

Was uns zu alltäglichen Helden macht, ist die Verbindung, körperliche und psychische Leistungen zu erbringen, die uns über unsere Belastungsgrenze hinaus katapultieren. Nicht nur Ärzte. Auch die vielen Menschen in der Pflege.

Wochen, in denen man 13 Tage am Stück arbeitet, mal 2 Stunden, mal 5 Stunden nachts schläft. Man schläft am Tag, mittags, im Sitzen oder im Stehen. Die Arbeitszeitrichtlinien werden  jeden Tag übergangen. Die Arbeitsintensität ist mit keiner Intensität der letzten Jahrzehnte vergleichbar. Das  Arbeitsaufkommen sprengt jegliche Grenzen.  Die gesetzlichen Regelungen gleichen einem Dschungel der Unmöglichkeiten.

Ein Luxusproblem? Früher ging es doch auch? „Ich möchte keine Heldin sein“ weiterlesen

Merle erklärt: der Körper heilt es!

Die 3  jährige Johanna ist traurig. Ihre beste Freundin Lisa fehlt im Kindergarten. Lisa ist krank. Sie hat Fieber, Husten und Schnupfen.

Johanna wünscht sich, dass Lisa trotzdem kommt und mit ihr spielt. Leider geht das nicht. Denn Fieber ist ein Krankheitszeichen.

Johanna möchte, dass Lisa mit ihrer Mutter zum Kinderarzt geht. Dann kann er sie heilen und Lisa kann wieder in den Kindergarten kommen.

Das wäre wirklich toll! Aber leider geht das nicht so schnell. Man braucht schon etwas Geduld und Zeit.

Merle erklärt Johanna, wer Lisa wieder gesund macht. 

Der Körper hat Selbstheilungskräfte

Im Herbst ist es häufig, dass man Husten oder Schupfen hat. Erkältungsviren verursachen diese unangenehmen Zustand.

Nicht immer muss man deshalb zu Hause bleiben. Frische Luft, ein warmer Tee und etwas Ruhe helfen dem Körper, sich selbst zu heilen.

Kommt allerdings Fieber dazu, ist das ein Alarmzeichen. Der Körper ist krank. Jetzt braucht Lisa viel Ruhe und muss sich erholen. Wenn das Fieber länger anhält als 3 Tage, geht Lisas Mutter mit ihr zum Kinderarzt.

Es gibt viele Möglichkeiten, dem Körper beim gesund werden zu helfen. Aber die meiste Arbeit, erledigt er ganz von selbst! Wir müssen also gut auf ihn aufpassen. 

Viele Grüße

Unterschrift Lieschen Müller

Bildquelle: Eigene

Verabschiedung

Herz und Schatten

Es ist Samstag Abend, 19 Uhr. In einer Stunde beginnt der Nachtdienst. 

Das Energiebündel ist noch wach und kuschelt mit mir. Wir lesen ein Buch, wir singen ein Lied auf der Gitarre. Das Abendessen war entspannt. Wir haben den ganzen Tag miteinander geteilt. Das Frühstück, den Ausflug, den Mittagsschlaf. Ich genieße den kleinen Rücken an meiner Seite, wenn wir in der Mittagspause beide schlafen können.

Doch dann ist der genussvolle Teil des Tages vorbei.

Die Verabschiedung ist schwer. Ein langes Hinauszögern erschwert die Situation. Besser ist die konsequente Variante. Die ersten Male waren verdammt hart. Für das Kind, den Herr Müller und mich.

Es tut weh. Da ist der Zweifel. Dort ist es das Stechen mitten ins Herz. All die klagenden Stimmen über Rabenmütter bahnen sich den Weg nach oben. Die Müdigkeit, die Sehnsucht, die Wut und die Enttäuschung.

Danach das Adrenalin, das Zusammenbeißen, der Wechsel in das andere Ich. Das Bewusstsein der Entscheidung. Die Klarheit über die Notwendigkeit. Die Bestimmtheit . Die Ruhe.

Mittlerweile kennt der Zwerg die Situation.

Der Papa ist da. Die Mama kommt wieder. Küssen, drücken, umarmen, ein Winken vom Fenster. Heute klappt es gut.

Ich atme.

 

Bildquelle: flickr.com, by Marina del Castell

Mein geschätzter Kollege Arzt – mein Feind

Kollegen

Anna betritt die Notaufnahme. Sie ist 4.

Ihre Speiche, ein Knochen des Unterarms, ist gebrochen. Der Knochenbruch ist etwas verschoben. Wir gipsen den Arm trotzdem ein. Die Achsabweichung wird sich in diesem Alter verwachsen.

Die wichtigste Spielregel? Den Eltern erklären, was der Plan ist.

Ich erkläre das Vorgehen genau. Aber keine Woche später erhalte ich natürlich den bitterbösen Anruf eines niedergelassenen Kollegen.

Das Vorgehen sei unverantwortlich.

Anna sei mit ihren Eltern auf dem Weg in die große städtische Kinderorthopädie. Meine Approbation gehöre entzogen. Ich solle doch bitte wenigstens einen erfahrenen Arzt hinzuziehen. Zuweisungen in unser Krankenhaus würde er in Zukunft nur noch sehr eingeschränkt unterstützen.

Ich bedanke mich für den Anruf und rate ihm, sein Buch der Kindertraumatologie aufzuschlagen. Ich schlage ihm sogar eines vor: Eines, in das ich gesehen habe, bevor ich mich vergewisserte, dass mein Vorgehen lege artis ist. Er brüllt und schildert mir erbost seinen beruflichen Werdegang.

Vielleicht wird ihm der Entlassbrief der städtischen Kinderorthopädie helfen – mein Vorgehen wird nämlich in keinster Weise verändert.

Nur um sicher zu gehen, schlage ich das Lehrbuch erneut auf. Und finde genau an dieser Stelle den unten stehenden Text.

Auf der Suche nach einer passenden Beschreibung der Beziehung zwischen Arztkollegen?

Hier bitte: die trefflichste Beschreibung, der ich nichts hinzuzufügen weiß.

Kollegenhäme

Quelle: „Frakturen und Luxationen im Wachstumsalter“ – Lutz von Laer (eine der älteren Ausgaben)… wahrscheinlich ist das jetzt sogar eine #Anzeige. Oder gar #Werbung?

Bildquelle: flickr.com, by Dennis Skley

Die „Schwesterfraudoktor“ im Interview

schwesterfraudoktor

Kennt ihr schon die „Schwesterfraudoktor“

Eine Allgemeinmedizinerin und Mutter zweier Kinder. Eine Frau mit dem Herz am richtigen Fleck und dem Mut zu ganz eigenen Wegen.

Außerdem hat sie eine ganz hervorragend ehrliche Art und Weise, die Wahrheiten in unserem Alltag als Ärztinnen, Menschen oder Mütter, darzustellen. Persönlich scheint sie einen unglaublich fleißigen grünen Daumen zu haben und die Touren mit ihrem Bike zu lieben.

Ich freue mich sehr, dass du uns in deinem Interview von deiner Reise als Ärztin und Mutter erzählst, liebe „Schwesterfraudoktor“. DANKE!

Weitere Interviews von Ärztinnen und Müttern könnt ihr in der Rubrik Interviews mit Ärztinnen und Müttern finden. Ihr könnt in der entsprechenden Rubrik auf die Untergruppen klicken – die Interviews sind nach Fachrichtungen sortiert.

Helft anderen werdenden Müttern und Ärztinnen, zeigt ihnen Beispiele und Wege, wie eine Vereinbarkeit dieser beiden Rollen möglich ist und arbeitet bei meinem Blog mit!

Beantwortet die Interviewfragen und schickt sie mir auf unfallchirurginundmutter [@] googlemail.com zurück. Ich freue mich, von euch zu hören. Vielen Dank!

Eure

Unterschrift Lieschen Müller

Merle erklärt: Blut ist gut!

Darf ich vorstellen? Merle, meine bärenstarke Helferin!

Merle ist 6 Jahre alt und weiß ganz schön viel.

Auf dem Spielplatz zum Beispiel, kann sie Marc erklären, warum unser Körper blutet.

Marc ist gestürzt und schlägt sich die Knie auf, dass es blutet. Aber Merle weiß, warum das gut ist.

Blut ist gut

Stimmt! Das Blut transportiert den Dreck und den Sand nach draußen. Die Wunde wird so gereinigt und kann heilen.

Das findet Marc spitze. Er ist ganz begeistert von seinem Körper und zeigt seiner Mama stolz die Schürfwunden.

Dann erklärt er ihr: Blut ist gar nicht schlimm. Wenn es blutet, wird die Wunde sauber.

Wenn ihr mehr von Merle sehen möchtet, schreibt mir doch einfach einen Kommentar zurück. Vielleicht bekommt Merle dann ihre eigene kleine Kinder-Kolumne.

Eure

Unterschrift Lieschen Müller

 

Bildquelle: eigene