Du bist wertvoll!

wert.

Heute darf ich euch zwei Ärztinnen vorstellen, die euch Mut machen sollen.

@Dr. Blub ist Allgemeinmedizinerin und Mutter von zwei Kindern. @Traveleve ist Anästhesistin und Mutter eines Kindes.

Auf twitter schreiben sie sich ihren Alltagsfrust von der Seele und teilen wichtige und interessante Informationen.

Travelve rät in ihrem Interview dazu, zu machen was man möchte. Trotz dem zu erwartenden Widerstand, sollte man an sich glauben und seine Vorstellungen umsetzen.

Dr. Blub rät dazu, sich nicht unterkriegen, sich und seinen Wert nicht kleinreden zu lassen und einzufordern, was einem zusteht.

Ihre Erfahrungen sind geprägt von Rückschlägen und Hindernissen. Aber sie machen Mut und geben Kraft. Vielen Dank für eure Interviews!

Möchtet ihr auch Teil des Blogs werden?

Teilt eure Erfahrungen und schickt mir eure ganz persönlichen Interviews auf unfallchirurginundmutter[@]googlemail.com zu. Ich freue mich darauf!

Bildquelle: flickr.com, by Damian Gadal

Tausche Panzer gegen Umhang

Früher habe ich einen Panzer angelegt, bevor ich zum Nachtdienst in die Klinik ging. Nachts sind die Patienten aggressiver, man muss sich wappnen. Und trotzdem kann ich den Patienten heutzutage empathischer begegnen. Mutter zu sein hat mich etwas weicher gemacht.

Der kleine warme Rücken kuschelt sich an meinen Bauch. Der gemeinsame Mittagsschlaf am Wochenende ist ein schönes Ritual für das Kind und mich. Ich genieße diese zwei Stunden, der Schlaf ist tief und fest. Meist weckt mich das strampelnde Kind, indem eine Hand auf meiner Nase oder ein Fuß in meinem Unterbauch landet. Weniger Genuss, mehr Schmerz. Aber das lächelnde Kindergesicht tröstet mich sofort.

Der Schlaf ist wichtig für mich. Denn auch an diesem Wochenende werde ich nachts wieder arbeiten müssen. Ohne den Mittagsschlaf schaffe ich es nicht. Das Kind übrigens auch nicht, ein Glück.

Pöbelnde Alkoholiker und beißende Demente

Die Nachtdienste in den Krankenhäusern sind schon längst keine Bereitschaftsdienste mehr. Das Patientenaufkommen ist zu hoch. Aber eine Konsequenz wird bisher nicht gewünscht. Die Umstellung auf ein Schichtsystem möchte keiner. Also geben wir uns mit wenig Schlaf zufrieden.

Wenn ich abends das Haus verlasse, lege ich meinen Mutter-Umhang nicht ab. Ich ziehe ihn vielleicht etwas fester um mich. Die Arbeit in meinem Fachbereich erfordert Konzentration, Genauigkeit und Distanz. Neutralität, die Reduktion auf Fakten und Notwendigkeiten ist wichtig. 

Nachts treffe ich auf pöbelnde Alkoholiker, aggressive Boxer, ungeduldige Angehörige und kratzende, beißende Demente. Die Nervenenden sind angespannt, die müden Patienten verlieren oft ihre Hemmungen. Passive und aktive Aggressionen sind im täglichen Umgang Normalität geworden.

Die Distanz, die Geduld, das selbstsichere, schnelle und ruhige Auftreten sind unumgängliche Qualitäten, die man hier als Ärztin braucht. Eine etwas dickere Haut schadet nicht.

Es ist nicht mehr alles schwarz-weiß

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Respekt und Verständnislosigkeit

Vase mit Respekt

Mittlerweile kennt ihr schon viele Frauen und Mütter in der Medizin, die ihre ganz persönlichen Antworten auf die Interviews veröffentlicht haben.  Es sind alles Frauen, die sich trauen, einen Weg in der Medizin als Ärztin zu gehen und Kinder zu bekommen.

In einem System, das vorrangig von Männern dominiert und erschaffen ist, kein leichter Weg. Die Strukturen sind in vielen Bereichen bis heute auf das Weiterkommen der Männer ausgerichtet. Auch im privaten Umfeld sind die Reaktionen auf arbeitende Ärztinnen unterschiedlich.

„Fury Roadster“ ist Kinderärztin, arbeitet auf der neonatologischen Intensivstation und  trifft zum Beispiel auf Respekt und Verständnislosigkeit.

Ihr Interview ist ehrlich und hilfreich. Sie rät anderen Frauen dazu, ehrlich zu sich und anderen zu sein – nur wer weiß, was er möchte, erreicht seine Ziele. Danke für dein Interview!

Eine Ärztin, die überhaupt nicht damit gerechnet hat, schwanger zu werden, ist Psychiaterin „Fusselhirn“.

Sich für die Familie und Kinder zu entscheiden, war eine gemeinsame Entscheidung mit ihrem Partner, der mittlerweile seinen Beruf für die Kinder mit erhöhtem Betreuungsaufwand, aufgegeben hat. Sie arbeitet dafür als Vollzeit-Oberärztin. Ihr Interview ist gleichermaßen offen wie motivierend. Danke für das Interview!

Wer ebenfalls Teil des Blogs werden und anderen Frauen ihre Geschichte erzählen möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Ich freue mich über jedes Interview! Das Interview einfach an unfallchirurginundmutter[@]googlemail.com senden.

Lest, stöbert und fasst Mut für euren eigenen Weg

Eure

Unterschrift Lieschen Müller

Die Patientin hat noch 1 Tag

1, Eins, One

Die heutige Visite wird ganz sicher ein Horrortrip. Der Chefarzt ist dabei und der Sozialdienst war länger krank. Viele Patienten bewegen sich gefährlich nah an der oberen Grenzverweildauer, einige haben sie längst überschritten. Bis Zimmer 6 hält der Chef es aus, dann brüllt er mich an.

Der Chefarzt begleitet heute Mittag die Visite. Vor jedem Zimmer bekommt er ein kurzes Briefing von mir, damit er weiß, welcher Patient sich im jeweiligen Zimmer befindet. Wir werden von einer größeren Gruppe begleitet. Sozialdienst, Physiotherapie, weitere Assistenzärzte, PJler, Bettenmanagement. 

Sollten sich Fragen ergeben, weiß jeder sofort die richtige Antwort. Ich bin für die Fragen zum medizinischen Hintergrund zuständig, der Sozialdienst für Fragen zu Hilfsmittel oder Kurzzeitpflege, die Physiotherapie kümmert sich um die Beweglichkeit und das Bettenmangement und um die Verweildauer. 

Der Chef braucht heute starke Nerven

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Abstellgleis? Nein danke!

Heute darf ich zwei Frauen vorstellen, die ihre ursprünglichen Karrierepläne änderten, um ihre Mutterrollen und ihre Rollen als Ärztinnen zu vereinbaren.

Eine Chirurgin und Mutter von zwei Kindern erzählt von ihrer Vorstellung, erst als Fachärztin Kinder zu bekommen und nun in der Notaufnahme zu arbeiten. Dafür gibt sie ihren Job in der Chirurgie auf.

Eine Allgemeinmedizinerin arbeitet in einer Rehaklinik. Um ihrem Mann den Rücken frei zu halten, gibt sie ihren Traum in der Urologie auf.

Doch ist diese Entscheidung, die Änderung des ursprünglich eingeplanten Weges, immer schlecht? Nein. Beide Ärztinnen können in ihren aktuellen Fachdisziplinen nun endlich sagen.

„Ich bin gleichberechtigt.“

Wer meinen Blog bereichern und anderen Frauen die Türen öffnen möchte mit seinen Erfahrungen, darf gerne mein Interview ausfüllen und es mir auf unfallchirurginundmutter[@]googlemail.com zurück schicken.

Ich freue mich sehr darauf und bin unglaublich dankbar für die vielen Rückmeldungen!

Eure

Unterschrift Lieschen Müller

Bildquelle: flickr.com, by liebeslakritze

Bitte einmal die Hose runterziehen

Der junge Mann errötet, als ich ihn bitte, die Hose runterzuziehen. Er hat sich eine Einblutung an der Leiste zugezogen. Dort einen Verband anzulegen, ist für alle Beteiligten nicht das Angenehmste. Als ich frage, ob er lieber von einem Mann versorgt werden möchte, winkt er ab.

Wegen einer traumatischen Einblutung in der Leiste – Fahrradlenker, die übliche Anamnese – werden wir ihm einen Hüftkompressionsverband anlegen müssen. Es hat sich bereits ein großes Hämatom gebildet, das in den nächsten Tagen ausgeräumt werden muss. 

Die Anlage ist lästig, weil sie ein paar Minuten dauert und für den Patienten nicht immer angenehm. Der Verband wird um die Hüften, Leisten und den betroffenen Oberschenkel gewickelt. Man ist gut beraten, dem Patienten das Vorgehen vorher zu erklären, wenn man nicht wegen Belästigung angeklagt werden möchte. 

„Sie werden wohl schon häufiger einen Mann gesehen haben.“

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