Kinder sind Frauensache

Kinder sind Frauensache? Lese ich jeden Tag. Und sehe ich jeden Tag. Meine Oberärzte haben alle Kinder. Alle arbeiten Vollzeit, keiner hat jemals in Teilzeit gearbeitet. Ein paar männliche Kollegen haben Kinder. Keiner arbeitet Teilzeit. Viele weibliche Kollegen (nicht in meinem Fachgebiet) arbeiten Teilzeit. Sie sind ja schließlich auch für Küche, Kochen, Einkauf, Haushalt, Wäsche, soziales Leben und die Kinderbetreuung zuständig…Was? Ein paar meiner Kollegen waren 2 Monate in Elternzeit. Alle waren im Urlaub, mit ihren Frauen und dem Kind. Die Frauen waren mindestens 12 Monate in Elternzeit, im Erziehungsurlaub, daheim. Bisher dachte ich, wir sind ein paar Jahre weiter als 1960. Umso mehr ich mich umschaue, desto mehr zweifel ich daran. Wie werde ich das mal handhaben, wenn die Schwangerschaft beendet und das Kind geboren ist? Wie seht ihr das? Sind Kinder Frauensache? Wie handhabt ihr das? Kommentiert und diskutiert. Ich freue mich auf eure Kommentare!

Seid ihr Ärztin und schwanger? Fragt ihr euch auch, wie ihr das später mal organisieren sollt/wollt? Wie es anderen Ärztinnen ergeht/erging? Hier findet ihr die Interviews einer Unfallchirurgin und Mutter zweier Kinder, einer Allgemeinärztin und Mutter eines Sohnes, einer Chirurgin und Mutter zweier Kinder und einer Anästhesistin und Mutter einer Tochter. Schreibt mir eure Antworten auf mein Interview, werdet Teil dieses Blogs und gebt schwangeren Ärztinnen ein Beispiel. Vielen Dank fürs Mitmachen!

2 Antworten auf „Kinder sind Frauensache“

  1. Aussage eines Oberarztes eines Uniklinikums zu StudentInnen – „Eine universitäre Karriere und Kinder werden für eine Frau schwer machbar sein. Eigentlich gar nicht. Machen Sie sich da keine Illusionen. Wenn Sie sich schon Kinder einbilden dann kriegen Sie die doch bitte während Ihrer Studienzeit, da ist das noch am ehesten möglich. Oder Sie gehen halt in ein kleineres Haus und leisten Dienst nach Vorschrift“

    Aussage eines Professors für Anatomie, vor drei Jahren etwa – In seinen Augen sei es einfach auch Zeitverschwendung 60% Mädels zu unterrichten, denn viele werden dem System sowieso nie zur Verfügung stehen, da sie früh heiraten und Kinder bekommen und evtl nie Vollzeit arbeiten. Er sagte zwar auch klar trifft das nicht auf alle zu, aber doch auf einen Großteil.

    Ich bin weiblich und studiere Medizin und weiß nicht ob ich Kinder möchte. Ich bewundere aber jede, die sich als Ärztin für Kinder entscheidet. Genauso wie ich jede bewundere die zu Gunsten ihres Kindes auf eine potenzielle Karriere verzichtet und auch umgekehrt.

    Übrigens finde ich Ihren Blog toll, großes Kompliment und gerne mehr davon! Und viel Glück für den weiteren Weg mit Baby und Facharztweiterbildung 🙂

  2. Mein Kollege brüstet sich mit seinen 2 Monaten Elternzeit und erzählt, wie er diese Auszeit (Urlaub mit der Familie) beim Chef -ohoho- eingefordert hat. Und seine 2 Kinder habe er neulich auch vom Kindergarten abgeholt, weil seine Frau es zeitlich nicht packte -wow.
    Ein anderer Kollege stellt mit fester Stimme hypothetisch fest, dass er sicher auch mal Elternzeit nimmt, wenn es soweit ist. Auf die Nachfrage der Kinderbetreuung durch Reduzierung seiner Arbeitszeit zieht er erbost! die Augenbrauen zusammen und erklärt, er würde dann ja länger für seine Facharzt-Weiterbildung benötigen.
    Mein Oberarzt fragt mich, weshalb ich nicht zu Studienzeit Kinder bekommen hätte… dann hätte ich jetzt keinen Karriere-Knick.

    Ich bin nicht sauer auf meine Kollegen, ich bin ärgerlich auf die (Ehe-) Frauen meiner Kollegen, die das mit sich machen lassen und die Männer gar keinen Druck haben, ihr Verhalten oder ihre Einstellungen zu ändern. Ich habe die Nase voll von Klagen über die Vereinbarkeit des Jobs mit der Familie von uns Frauen. Wir müssen unseren Männern klar machen, dass sie genauso viel Zeit für die Erziehung aufbringen müssen wie wir. Und das Totschlag-Argument “er verdient halt mehr“ könnt ihr liebe Frauen und Mütter euch sonst wohin st……. Das wird sich nämlich nicht ändern, wenn wir die beiseitige Arbeitszeit-Reduktion nicht einfordern, die wir ggg. brauchen um unsere Kinder betreuen zu können. Zumal diejenigen, die sich über die ungleiche Chancen beschweren, gut ausgebildete, gut verdienende Akademikerinnen sind!

    Natürlich ist eine Verbesserung der stattlichen Einrichtungen für Kinderbetreuung (von Kita bis v.a. Hort!) notwendig. Zuallererst aber müssen wir Frauen realisieren, dass wir eine Benachteiligung in unseren Jobs -im Alltag oder karrieretechnisch gesehen- nur durch eine Gleichstellung und Gleichberechtigung mit unseren Männern erreichen können. Nein, ich rede nicht von der Schwangerschaft oder Stillzeit; das ist aber auch der kleinste zeitliche Anteil, den wir in den 18-20 Jahren des Kinderversorgens als (arbeitstechnisch gesehen) Auszeit erleben. Wir, jede einzelne Mutter, sollte sich mit ihrem eigenen Mann zusammensetzen und eine Gleichstellung -nur mit dem eigenen Mann-einfordern. Dann wäre schon einmal viel geschafft.

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